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Wer wählt eigentlich Journalisten auf Regierungsreisen aus?

Macron und sein Kabinett möchten auf Reisen nicht mehr von Politik-Journalisten, sondern je nach Reise-Thema von Fachjournalisten begleitet werden - Bildung, Verteidigung, etc. pp. Er möchte auch zahlenmäßig reduzieren, um näher am Bürger bzw. mit dem Bürger zu kommunizieren.

Nunja. Ich finde die Idee nicht unbedingt dumm, aber auch nicht ungefährlich (Wünsche äußern ist OK, auch die Zahl zu deckeln ist nicht per se schlecht, aber konkrete Namen zu bestimmen ist einer Demokratie unwürdig). Und ich frage mich grade: Wie und von wem werden eigentlich die Journalisten ausgewählt, die das Kabinett Merkel auf Reisen begleiten?

Anti-Trump, FN, AfD, ... - Sofortmaßnahmen, zur Nachahmung empfohlen

 
[X] echte, pluralistische, demokratische Zeitung abonnieren (wurscht ob man sie dann auch liest). (Meinereiner: Le Monde, Der Freitag). Warum: Die Clickbait-Empöreria-Hetzseiten brauchen Gegenwind durch Qualität und Erfahrung, die Regierung Gegenwind durch investigativen, klugen Journalismus.
 
[X] Spenden, regelmäßig, an Initiativen der Zivilgesellschaft die Demokratie, Menschenrechte, Bürgerrechte hochhalten helfen. Die Auswahl ist riesig. Warum: Geld regiert die Welt. Es geht nicht um große Beträge sondern um Regelmäßigkeit (Dauerauftrag..) (Meinereiner: www.netzpolitik.org, ACLU (siehe Wikipedia), vielleicht noch En Marche, malsehen)
 
Und: sich einmischen. Widersprechen, diskutieren, höflich, aber bestimmt. Nicht naiv sein - “es” geht NICHT von selber wieder weg, DU mußt GANZ KONKRET und DAUERHAFT etwas tun.
 
Keiner verlangt Unmögliches von Dir - aber wer in der Demokratie zu lange pennt, wacht in der Diktatur auf.
 
Drrrrinng drrrinng!

Idee Nr. 4: Bauen für alle

Problem?

Die Gesellschaft wird immer älter, so liest man’s allerorten - und kann es auch im Straßenbild nicht übersehen. Abseits urbaner Ballungszentren sieht man auf dem Wochenmarkt gerne nur noch weisse Haare, und ein Blick in die Statistik der Bevölkerung bestätigt den Verdacht: Deutschland hat immer mehr ältere Menschen.

Die Politik begreift diese Herausforderung aber leider, ganz nach dem Motto “wählt mich, ihr vielen Älteren und Alten”, als Einladung, hier das Finanzfüllhorn über Rentnern und solchen die’s bald werden werden auszuschütten. Das betrifft die Rentenpakete der laufenden Legislaturperiode, aber auch ‘zig Bauprogramme die vom Staat via KfW mit Nullzins und sogar mit Zilgungszuschüssen (sprich Bargeld!) bezuschußt werden, für Treppenlifte, eben Badewannen etc. pp.

All dies ist ein großes Problem, das sich nicht mit einfachen Rezepten lösen läßt. Was man aber unbedingt tun sollte, ist Folgendes: Über die vielen Alten nicht vergessen, daß es umso wichtiger wird, daß unser Land auch für die wenigen Jungen die das alles stemmen sollen, ein lebenswerter Platz bleibt. Und speziell was das Bauen und Subventionieren von Bauen angeht:

Lösungsidee?

Es gibt KfW-Programme (Kredit und sogar Investitionszuschüsse) für “altersgerecht umbauen” - heißt: Treppenlift rein, Rampe für den Rollstuhl, etc. pp.  Auch für einbruchshemmende Türen gibt’s inzwischen Staatsknete ein. Fein.

Warum gibt es kein Programm “kindgerecht umbauen”, mit ähnlichen Konditionen? Zur Anlage von Spielplätzen in Höfen von Mehrfamilienhäusern, zur Errichtung von Kinderwagenabstellräumen, für nen Gemeinschaftsspielplatz zwischen Nachbarn angrenzener Einfamilien- oder Reihenhäuser?

In Großstädten ist bei neuen Mehrfamilienhäusern Pflicht, für genügend Stellplätze zu sorgen (Garage..) und eine Anzahl X an Wohnungen barrierefrei bzw. behindertengerecht zu bauen. Warum nicht - dem gleichen Prinzip, aber für die junge Generation folgend -  auch verpflichtend den Kinderwagenabstellraum, Platz für 2 Fahrräder pro Wohneinheit (abschließbar, sauber, zugänglich, mit Platz für Kinder-Anhänger und Kinder-Räder), und ab einer gewissen Größe auch einen Spielplatz?

Wenn inzwischen praktisch jeder Flughafen einen oder mehrere Kinderspielplätze untergebracht kriegt, warum schafft das nicht auch jeder größere Bahnhof?

Haken?

Kinder dürfen nicht wählen (auch nicht ihr eltern an ihrer statt), Rentner schon. You do the maths.

Ausnahmezustand ("État d'urgence") - was bedeutet das?

Der “État d’urgence” (Ausnahmezustand) den Hollande gerade in Frankreich verhängt hat, beinhaltet unter anderen:

  • Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluß (zwischen Freitag und heute früh bereits gut 130 lt. Premierminister Valls)
  • Möglichkeit des Verhängens von behördlichem Hausarrest
  • eingeschränkte Versammlungsfreiheit
  • eingeschränkte Freizügigkeit (insb. Ausgangssperren)
  • eingeschränkte (eigentlich: aufgehobene) Pressefreiheit
  • Möglichkeit des Konfiszierens von Waffen
  • Militärgerichtsbarkeit auch für Straftaten und Verbrechen

Hollande möchte diesen um 3 Monate verlängern und das dahinter stehende Gesetz (es stammt von 1955) auf die heutige Zeit anpassen. Was für mich heißt: Auf IT und Telefonie ausdehnen.

Deutsch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausnahmezustand

Französisch: https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89tat_d’urgence_en_France

Gesetzestext:

Wie man's auch formulieren könnte

Man liest immer und immer wieder jammervolle Artikel über die “Enteignung” des “Deutschen Sparers” durch die Niedrigzinspolitik, für die natürlich Herr Draghi alleine und persönlich verantwortlich ist. Bei mir persönlich erzeugt sowas inzwischen allergische Reaktionen: Wer für Anlagen ohne Risiko (Tagesgeld, Festgeld, Staatsanleihen der BRD) eine Rendite oberhalb der Inflationsrate als selbstverständlich und eine Art Bürgerrecht der Vermögenden erwartet, hat m.E. fundamentale ökonomische Prinzipien nicht begriffen.

Daher habe ich mir mal erlaubt, einige Überschriften zu formulieren, die ähnlich seriös oder polemisch sind wie das was mir in den letzten Jahren als SZ, Welt, FAZ, Spiegel, und LeFigaro-Leser so begegnet ist. Die Liste ließe sich ohne Weiteres ergänzen, wer weiß, vielleicht mache ich das auch noch. Et voilà, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen dabei, die Dinge nicht immer so ultraschwarz zu sehen und sich mal drei Millimeter aus der “Wir Deutschen, Zahlmeister & Opfer Europas” rauszubewegen (hallo AfD).

  1. EZB-Zinsplitik ermöglicht Rentenanhebung für geburtenstarke Jahrgänge (Hint: Rentenpaket der GroKo kostet ca 160 Milliarden bis 2030, die niedrigen Zinsen für den Staat haben bereits heute 120 Milliarden an Zinskosten gespart - Quelle: Bundesbank, vgl. Handelsblatt)
  2. Draghis Niedrigzins enteignet spanische, italienische und französische Sparer (Hint: niedrige Guthabenzinsen auf festverzinsliche erstklassige Papiere und die daraus resultierenden Schwierigkeiten der Renditeerzielung für Rentenprodukte sind kein spezifisch deutsches Problem)
  3. Niedrigzins: Schweizer Betriebsrenten in Gefahr (Hint: Deutsche 10-Jahres-Anleihen bringen derzeit ca 1%. Schweizerische 0,45%; vgl. Punkt 2.)
  4. Super, Mario! So kommen auch SIE zur eigenen Immobilie (Bild-Zeitung) (Hint: Einer großen Zahl von Menschen aus der Mittelschicht ermöglichen die niedrigen Immozinsen überhaupt erst den Kauf eines Eigenheims, und damit einen Vermögensaufbau in ihnen sonst de facto unmöglichem Ausmaß)
  5. Jugend aus EU-Krisenstaaten rettet deutsches Wachstum (Hint: obwohl die autochtone Bevölkerung Deutschlands immer älter wird und auch immer kleiner, wächst die Bevölkerung, zum guten Teil dank hochqualifizierter EU-Ausländer, für deren Ausbildung wir nix bezahlt haben, und die hier aber arbeiten und fleißig unsere Sozialabgaben und hohen Einkommensteuern bezahlen)

Was nicht passt...

Schön finde ich immer wieder, wenn nebeneinander stehende Normengerüste, die sicher in sich schlüssig sind, miteinander in Berührung kommen. Beispiel: Arbeitsrecht und Ausländerrecht. Die Beschäftigung eines nicht-EU-Ausländers ohne Arbeitserlaubnis ist mit sehr hohen Strafen für den Arbeitgeber bewehrt. Um die Erlaubnis muß sich der AN aber selber kümmern. 

Jetzt könnte man ja auf die Idee kommen, daß man als AG einfach in den Arbeitsvertrag reinschreibt, daß er eine gültige AE haben muß, und wenn er die nicht hat, das Arbeitsverhältnis als gekündigt oder aufgehoben gilt. Könnte man, würde Sinn machen - ist aber arbeitsrechtlich leider unwirksam. Also muß man jedem einzelnen AN hinterherrennen, und wenn der den Nachweis nicht liefert oder eventuell nicht (mehr) hat, weil er abgelaufen ist, muß man ihm kündigen (was man alleine wegen der fehlenden AE eventuell gar nicht kann, da fehlen mir die Rechtskenntnisse) und hoffen, daß es keiner merkt, daß man ein paar Wochen jemand ohne Arbeitserlaubnis unter Vertrag hatte.

Gleiches Spiel: Arbeitsrecht und die Kindergartensatzungen. In der Regel lassen sich die Träger in den Satzungen das Recht, jedes Kind auch nur bei Verdacht auf irgendwas sofort nach Hause zu schicken bzw. gleich gar nicht mehr anzunehmen. Mal ein Beispiel aus der Praxis (§6 der KiGa-Satzung von Kehl):

Bei Verdacht auf ansteckende Krankheiten, insbesondere bei Erkältungskrankheiten, bei Auftreten von Hautausschlägen, Halsschmerzen, Erbrechen, Durchfall oder Fieber, sind die Kinder zu Hause zu behalten.

Bei Verdacht (!) auf eine Erkältung (!), was haben wir gelacht. Das greift in der Praxis gerne auch schon mal bei einer zu lange laufenden Nase oder ein-zwei Windeln mit Durchfall (so Beispiele hat wohl jeder im Bekanntenkreis). Dann heißt es “Holen Sie Ihr Kind SOFORT”, der KiGa ist voll im Recht das zu fordern, aber der Arbeitgeber hat keinerlei Verpflichtungen, einen gehen zu lassen (wegen einem gebrochenen Bein sicherlich, aber wegen Durchfall in der Windel oder anderen Lappalien? Und das dann locker zehn-zwölf mal im Jahr, bei manchen Kindern auch noch öfter (man überlege mal, wie oft bei einem selbst die Nase läuft oder man erhöhte Temperatur hat)? Nee, wohl kaum). 

Oder, andere Spielart: Sozialrecht und Kindergarten. Ist das Kind krank, darf man sich in Frankreich z.B. sage und schreibe drei (!) Tage pro Jahr auch krank schreiben lassen. Selten so gelacht. Noch besser: Wenn z.B. die eigene Tagesmutter krank ist, dann kann man maximal noch selbst Urlaub nehmen (den der AG aber nicht von heut auf morgen genehmigen muß...), oder wenn die Kita schließt, weil irgendwelche Impfesoteriker ihr Kind $Krankheit ganz natürlich ausleben lassen wollten und deswegen die halbe Belegschaft krank ist oder die Einrichtung z.B. wegen Masern mal paar Wochen dichtgemacht wird.

In anderen Worten: Wenn jemand (hallo Frau Schwesig!) mal WIRKLICH was für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun will: Das wäre mal ne Baustelle. Man könnte sich ja mal angucken, ob das in allen anderen Europäischen Ländern, insbesondere denen mit einer langen Tradition von professioneller, außerhäuslicher Betreuung, auch so gehandhabt wird, und sich da was abgucken.


In der Rückschau

Auf der TGV-Fahrt heute morgen bemerkt: Hätte man mir vor zehn Jahren gesagt: “David, in zehn Jahren bist Du in einer nicht untypischen Arbeitswoche montags in Hamburg, Mittwoch in Paris, und Donnerstag in Wien” - dann hätte ich das zum einen nicht geglaubt.

Und zum anderen wäre es mir weit glamouröser vorgekommen als es ist ;-)

Das wahrscheinlich am schwersten erhältliche Ticket der Welt

Ich will von München nach Kehl am Rhein. Die Verbindung mit der ich fahren möchte ist die schnellste und bequemste:

16:28 mit ICE München Hbf nach Stuttgart,
dort Umsteigen und 18:54 mit TGV nach Strasbourg (20:11)
dort Umsteigen und 20:22 mit Regionalbahn (OB oder TER) nach Kehl

Kaufen kann man diese Verbindung nicht im Internet (man kann nur eine Preisanfrage stellen und bekommt dann eventuell Tage später ein Angebot, und noch später dann Fahrkarten per Post).

Ich habe daher am Automaten ein Ticket München-Strasbourg für o.g. Verbindung gekauft. Und dann wollte ich noch separat Strasbourg-Kehl kaufen. Aber:

Im Internet: geht nicht (keine Preisangabe möglich)
Mit der Handyticket-App für den Verkehrsverbund fanta5 (ist ja Regionalverkehr der dazugehörigen TGO) - geht nicht
Mit der App der Deutschen Bahn - leider kein Handticket möglich
Mit der App der französischen Bahn (SNCF) - kostet 3,90, geht aber praktisch für mich nicht, nur Kauf und Abholung im Bahnof am Schalter oder Automaten (hint: ich habe 11 Minuten zum Umsteigen...)
Workaround: Kauf der Gegenrichtung (Kehl-Strasbourg) über die DB-Vertriebswege - wieder Fehlanzeige.
Im Bahnhof Strasbourg selber müßte ich
a) zu einem SNCF-Automaten rennen (wörtlich gemeint), und hoffen, daß ich den Kauf schnell abschließe UND die Kiste meine nicht-französische Kreditkarte akzeptiert (was in seltenen Fällen klappt, aber 9 von zehn Mal nicht)
b) zu einem Automaten der CTS laufen (vgl. SNCF-Automat, die Zeit habe ich nicht) und mir einen EUROPASS kaufen (grenzüberschreitendes Nahverkehrsticket der Straßburger Verkehrsbetriebe). Dort dann gleiches Problem mit Kreditkarte, UND das Ticket müßte ich noch entwerten (sonst gilt es nicht) - das geht aber nur an den Automaten der CTS-Stationen, und die sind außerhalb des Bahnhofs. Erst recht nicht möglich

Hm.


Lösung: In Nürnberg am Hbf ein Ticket Strasbourg-Kehl am Automaten gekauft. Geht aber nur, wenn ich
a) keine Bahncard-Ermäßigung angebe
b) keine konkrete Abfahrtszeit auswähle (maximal ein Datum, ich brauchte die Karte ja für den Folgetag)
und kostet dann, warum auch immer, 4,10 EUR.

Liebe Bahn, liebe CTS, liebe SNCF, leibe TGO - das geht besser. Ich mag nicht schwarzfahren, ich mag aber auch nicht meinen Anschluß verpassen und dann von 20:11 bos 21:52 (nächste Verbindung nach Kehl) am Bahnhof gammeln, oder den Weg über Tram und Bus mit locker 45 Minuten Fahrzeit nehmen müssen. Warum kann ich dieses olle Ticket nicht ir-gend-wie online kaufen?

Ergebenst, euer Vielfahrer

Update 16.5.: Ich hab’s! Das Ticket (bzw. einm Tagesticket für CTS/TGO 20, das tut’s auch) kann man seit kurzem online kaufen, zwar nicht im “normalen” DB-Zugang sondern einem separaten von DB Regio, aber immerhin.

Deja vu

Vor einer Weile hatte ich ja schon mal einen mittleren Frustanfall, siehe “Liebe Eltern,... Angesichts des ”Rentenpakets" der Großen Koalition und des unlängst ergangenen Urteils des BGH zum Elternunterhalt ist es mal wieder soweit. Zur Erinnerung, der BGH hat entschieden, daß ein Sohn auch dann für die Pflege seines Vaters finanziell einstehen muß, wenn dieser ihn ab dem 18. Geburtstag verstoßen und enterbt hat und kein Kontakt mehr bestand, für über 40 Jahre nicht. Grund - bis zum 18. habe der Vater ja brav seinen Elternpflichten genügt, und danach war der Sohn ja erwachsen und das was der Vater tat, wenn auch nicht nett so doch sein gutes Recht.

Aha. Ich darf also zusammenfassen: Wir Kinder der vielzitierten “Geburtenstarken Jahrgänge”, d.h. derer die jetzt so zwischen 50 und 65 sind, sollen also:

  1. die von unserer Elterngeneration aufgebaute massive Staatsverschuldung abtragen, inklusive Zinsen natürlich
  2. Leistungen der Sozialsysteme finanzieren, die wir nie bekommen werden, darunter
    1. die Absicherung der Berufsunfähigkeit,
    2. Rente mit 65,
    3. ein Rentenniveau von dem man zumindest hoffen kann, leben zu können,
    4. eine Berücksichtigung von Studien- und Ausbildungszeiten als Beitragsjahre, 
    5. weitestgehende Steuerfreiheit der gesetzlichen Rente
    6. eine Arbeitslosigkeits- und Grundsicherung, die nicht von einem erwartet, sauer erarbeitetes Vermögen aufzubrauchen bevor der Staat “hilft”, und die nicht erwartet, jeden beliebigen Drecksjob (vgl. prekarisierter Arbeitsmarkt) anzunehmen
    7. und natürlich die insgesamt durchaus auskömmlichen Beamtenpensionen, für die die Generationen vor uns keinen müden Cent an Rücklage gebildet haben
  3. privat zusätzlich fürs Alter vorsorgen - während unsere Beiträge für andere Menschen das Privileg finanzieren, genau das nicht getan haben zu müssen, und wir das bei Anlagezinsen um die Inflationsrate tun sollen, während unsere Eltern ihre vier-fünf Prozent selbst mit Bundesanleihen sicher hatten
  4. privat zusätzlich für den Pflegefall vorsorgen, aber zudem noch
  5. die Pflege unserer Eltern stemmen, persönlich und finanziell, dank Elternunterhalt und BGH auch bis einschließlich Rückgriff aufs eigene Vermögen
  6. mehr Kinder kriegen und großziehen als unsere Eltern, die mit ihrer ganz persönlichen “Ein-Kind-Politik” die Misere ja nicht ganz unerheblich mit verursacht haben
  7. das alles natürlich partnerschaftlich mit zwei berufstätigen Eltern, in einem Arbeitsmarkt der sich zwischenzeitlich erheblich prekarisiert hat, und mit Gehältern, die für vergleichbare Tätigkeiten sehr oft eine deutlich bessere Ausbildung voraussetzen (deren Erwerb aber natürlich ehrenamtlich zu erfolgen hat) bei gleichzeitig (in Kaufkraft gemessen) substanziell schlechterer Bezahlung

Danke. Vielen Dank.

Und weil das noch nicht reicht, wird die ganze Herrlichkeit fast vollständig durch Abgaben und Steuern auf Arbeitseinkommen finanziert. Fein raus ist also, wer Kind von eh schon betuchten und vor allem: gesunden Eltern ist, die obendrein noch einigermaßen mit Geld umgehen können - der erbt (abgabenfrei und weitgehend steuerfrei, wegen sehr großzügigen Freibeträgen und Steuerbefreiungen) und zahlt auf seine Kapitaleinkünfte null Sozialabgaben und dank Abgeltungssteuer und Abschreibungen stark moderierte Steuersätze.

Blöd halt, wenn man auf eigene Arbeit als Einkommensquelle angewiesen ist, dann muß man z.B. so ‘ne runde Million erwirtschaften, um dann nach Steuern und Abgaben ca. die 500k beisammen zu haben, die ein erbendes Kind steuerfrei erhält (wenn selbstgenutzte Immobilien im Spiel sind, auch ohne weiteres noch deutlich mehr). Oh, und wenn die Eltern lange pflegebedürftig sind, dann ist’s natürlich noch blöder - dann haben irgendwann die Eltern kein Vermögen mehr, aber der Staat bedient sich munter bei den Kindern, auf daß die auch nie auf einen allzu grünen Zweig kommen. Damit sich das Spiel dann bei deren Kindern wiederholen kann.

Wohlgemerkt, auch für unsere Elterngeneration ist nicht alles rosarot, und für alle noch etwas älteren Leute, die noch den Krieg miterlebt haben, liegen die Dinge m.E. schon alleine deswegen anders. Darum geht’s mir nicht. Ich finde es aber absurd, was man uns als Generation zumutet: Mal abgesehen von der Unverfrorenheit mit der das geschieht, kann das doch bei nüchterner Betrachtungsweise gar nicht funktionieren. Und spätestens hier sollten auch die, die auf der “Empfängerseite” sitzen, hellhörig werden.



HaSSDe nicht gesehen - SSD unter Ubuntu 13.10 mit Verschlüsselung

Seit wenigen Tagen bin ich auch stolzer Eigner eines dieser neuen Wunderdinger namens SSD, namentlich eines 840 EVO von Samsung mit 500 GB Kapazität. Zum einen, weil mit bei meinem im Laufe des Jahres angeschafften T530 von Lenovo die HDD ohne großes Nachdenken als Flaschenhals in der Performance ein absolut sicherer Kandidat war (der Laptop hat 16 GB RAM und einen i7), zum Anderen weil SSDs ja inzwischen wirklich relativ erschwinglich sind. Relativ. Die Wahl des konkreten Modells habe ich auf Empfehlung meines Haus&Hof-Dealers, der Firma notebooksbilliger.de getroffen.

Durch einen glücklichen Zufall ist die SSD auf das Byte genau so groß gewesen wie meine alte Platte (Hitachi), d.h. ich habe einfach mit einer DVD ein Ubuntu-Testsystem gebootet, meine SSD in ein externes, per USB angeschlossenes Gehäuse gesteckt, und dann mit ddrescue die komplette Platte incl MBR, Partitionstabelle etc kopiert (ddrescue --force -vv /dev/sda /dev/sdb). Der Kopiervorgang des halben Terabytes klappte ohne irgendwelche Probleme, erlaubte mir aber aufgrund seiner Dauer so einige Erkenntnisse:

  • den ersten Versuch habe ich schnell wieder abgebrochen und gerechnet: Mit USB 2.0 hätte der Kopiervorgang über vier Stunden gedauert
  • ein externes Gehäuse mit USB 3.0 reicher (und 13 EUR ärmer) dann der Zweitversuch: Flaschenhals ist dann nicht mehr der USB, sondern die Lesedatenrate der HDD. Die beginnt so in der Gegend von 100 MB/s und sinkt dann, je weiter der Schreib/Lesekopf sukzessive in Richtung Achse kommt, auf um die 60 MB/s
  • das Ganze dauert dann also doch noch gute 90 Minuten

Danach einfach SSD anstelle der HDD eingebaut, hochgefahren, fertig. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, der Bootvorgang dauert wesentlich kürzer, der Login geht drastisch schneller, Applikationen starten weit schneller, und auch DB-Operationen die vorher mehrere Sekunden gebraucht haben, sind circa um den Faktor drei bis fünf fixer. Das alles mit aktivierter Vollverschlüsselung (OS-seitig, Ubuntu 13.10 64bit) der Platte natürlich. Fein! Die Parameter noatime & discard habe ich in /etc/fstab dann der physischen Partition noch spendiert. Mit ext4 war schon ein Dateisystem per Default verwendet worden, das wohl recht SSD-freundlich ist - kein Handlungsbedarf hier also. Schön.

Weniger super fand ich allerdings, daß ich hinterher herausfinden durfte, daß Samsung in den EVO-Modellen wohl eine Sorte Speicher verbaut, die nicht übermäßig lange halten wird. Sprach die allwissende Wikipedia:

Andere Hersteller wiederum, wie z. B. Samsung in der neuesten 840-SSD-Serie, setzen seit neustem auch auf TLC-NAND-Speicherzellen. TLC (engl. triple-level cell, dt. dreistufige Speicherzellen) hat im Vergleich zu SLC (engl. single-level cell) weitere Spannungslevel, sodass noch mehr Daten pro Speicherzelle gespeichert werden können. Aufgrund der kleineren Abstände zwischen diesen Stufen und der daraus resultierenden Schwierigkeit, diese Level stets korrekt auszulesen, ist die Lebensdauer von TLC-Speicherzellen noch mal geringer als von MLC-Speicherzellen mit gleicher Fertigung und Güte.

Hm. Samsung gibt eine dreijährige sog. “eingeschränkte Garantie”, die in diesem Punkt im Wesentlichen sagt, daß alles reibungslos funktionieren wird, wenn man die Platte bestimmungsgemäß verwendet und eine bestimmte Gesamtmenge an geschriebenen Daten nicht überschreitet. Die liest eines der mitgelieferten Tools (“Magician” oder so) per SMART aus, aber das nutzt mir nix, weil der Wert z.B. pro Tag, der im Mittel erlaubt ist, nirgends steht (außer im Code dieser Software) und es sich natürlich um ein Windows-Tool handelt. Die Rohdaten kriege ich natürlich auch per Linux, aber das reicht mir nicht, es geht ja um die Interpretation.

Google behauptet was von 40 GB/Tag, ist aber nicht klar ob sich das auf die Pro-Serie bezieht. Falls das der Wert ist, bin ich mit Sicherheit Lichtjahre davon entfernt (ich mache ja keinen Videoschnitt oder so). Trotzdem habe ich mich mental mal darauf eingerichtet, in drei Jahren eine dann aktuelle SSD zu besorgen. Und werde jetzt mal an Samsung schreiben, wie hoch der Wert ist (es wär ja super gewesen, den in der Garantieerklärung auch abzudrucken..).

Einstweilen freue ich mich jedenfalls an dem reibungslosen Umzug, der wirklich beeindruckenden Geschwindigkeit, und dem nicht mehr vorhandenen Geräuschpegel - da auch der Lüfter meines Laptops kaum je groß was tut, ist es wirklich sehr still im Büro :) Sehr eigenartig ist allerdings, daß der Stromverbrauch offenbar eher zugenommen hat, jedenfalls ist der Akku tendenziell fixer leer als vorher, was mich schon sehr wundert. Na, vielleicht finde ich das auch noch raus.



Europa

Spätsommer 2013: In den Dünen Flanderns, irgendwo zwischen Frankreich und Belgien, rutscht unser deutsch-französischer Sohnemann mit Begeisterung die Sandverwehungen hinter einem Weltkriegsbunker runter. Paar hundert Meter weiter, bei Ebbe sicht- und begehbar, liegen die Wracks dreier englischer Schiffe im Sand, Überbleibsel der Operation Dynamo. Etwas weiter gewandert trinken wir im flämischen Teil Belgiens (De Panne) eine heiße Schokolade und unterhalten uns auf französisch mit dem Patron. Und Sohnemann rundet das ab, indem er am Ende der Bedienung winkt und auf Deutsch “Tschüss” sagt.

Wenn es Europa nicht gäbe, man müßte es erfinden!

Danke Danke

Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Horden besoffener, grölender Fußballaffen, die den S-Bahnsteig des Stuttgarter Hbf gestern verqualmten, und dann als meine S-Bahn eh schon verspätet einfuhr trotz Polizeipräsenz niemanden aus der Bahn aussteigen ließen, sondern mit voller Kraft zu hunderten in die Wagen drängten.

Des weiteren vielen Dank an den älteren Herrn, der sein Fahrrad bereits seit vermutlich Herrenberg so geschickt vor der Tür zu meinem Abteil in der S-Bahn platziert hatte, daß dank ihm und den Fußballdeppen niemand mehr da raus kam, und die hochschwangere Frau, die die Spacken beinahe plattgedrängelt hätten, sich nur durch akrobatische Akte über das Rad hinweg so grade in das schützende Abteil retten konnte.

Glückwunsch. Ich, wie ganz viele andere auch, haben dadurch ihre Anschlüsse verpaßt, so manche(r) bekam noch ein paar Panikattecken gratis dazu. In Bad Cannstatt wahrt ihr dann mehrheitlich sogar zu blöd zu rallen, daß ihr jetzt aussteigen müßt. Nun, die Schwangere, ich, und ein paar andere haben’s da dann gottseidank raus geschafft.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auch die Deutsche Bahn, die mir direkt im Anschluß dann 50 Minuten in einem brüllend heißen, unklimatisierten Zug ohne Bordbistro angedeihen ließ, und die kleinen aber feinen Verspätungen, dank derer man körperlich beim Bahnfahren halt doch fit bleibt (Gleis 1 nach Gleis 7 in 3 Minuten, mit Gepäck und so). Danke Euch allen, was hätte ich nur ohne Euch mit meinem Nachmittag gemacht!

Wieder was gelernt - zu #sexismus und #aufschrei

Der Herr Brüderle hat mit seinem Verhalten schlußendlich etwas ausgelöst, was er sicher nie beabsichtigt hatte: Es wurde öffentlich, Deutschland redet endlich mal über alltäglichen Sexismus, nicht zuletzt weil auf Twitter unter den Hashtags #aufschrei und #sexismus fleißig alltägliche Situationen getwittert wurden und werden, die eben genau davon handeln: vom Sexismus im Alltag. Das reicht von Grapschereien über Nötigung bis zu mehr oder minder subtilen Situationen im Job (“Sie sind die Sekretärin? Nein, die Projektleiterin, verdammt!”). 

Ich bin keine Frau, habe mir aber erlaubt, mitzumachen. Warum? Weil Sexismus alle angeht, ganz besonders der im Alltag, weil es mit Sicherheit kein spezifisches Frauenproblem alleine ist (sondern eines, das die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit angeht), und weil es auch nicht nur Frauen betrifft. 

Konkret waren das folgende Tweets von mir:

  1. Dann wollnwirmal: Die Supermarktverkäuferin, die nach Eiern gefragt grinsend auf meine Hose deutet. (Link)
  2. Die ganzen Kinder- & Babygruppen, zu denen man als Berufstätiger/Vater nicht kann, weil mitten in der Woche vormittags (Link)
  3. Die gut gemeinten, einem jede Kompetenz absprechenden Ratschläge, d man als Vater ständig bzgl d eigenen Kindes kriegt (Link)
  4. Der dumme Herrenwitz, bei dem keiner verstehen mag, warum man nicht mitlachen möchte (Link)
  5. Das #Ehegattensplitting das einen im diese scheiß Ernährerrolle drängeln will (Link)
  6. Bank, die Immobilie nicht finanzieren mag, weil man nicht glaubt d. nach der Hochzeit weiter 2 Einkommen da sein werden (Link)

Die Reaktionen waren und sind spannend:


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Eine Frage der Prioritäten

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

haben Sie vielen Dank für Ihr freundliches Willkommensschreiben, das uns Mitte September 2012, keine zwei Wochen nach der Geburt unseres Sohnes erreichte. Auch der beigelegte Gutschein für Eltern/Kindaktivitäten wurde von uns dankbar angenommen und - unser Filius dankt auch hierfür - in einen Kurs für Babymassagen investiert. Es hat uns gefreut, daß in unserem weiß Gott nicht kinderreichen Land auch die Politik, und sei es mit einer Geste wie Ihrem Brief, ein wenig Anteil nimmt.

Mit einer gewissen Belustigung haben wir noch die steuerliche ID-Nummer zu unseren Akten geheftet, die unserem Sohn ebenfalls nicht allzu lange nach seiner Geburt ins Haus flatterte. Sehr professionell war übrigens die Kommunikation mit der L-Bank als Auszahlungsstelle für Elterngeld - Hut ab.

Wo uns mittlerweile allerdings arg der Humor fehlt, ist beim Kindergeld:

Wir haben keine zwei Wochen nach der Geburt einen Kindergeldantrag ausgefüllt und abgeschickt, an die für uns zuständige Familienkasse Offenburg. Da meine Frau in Frankreich erwerbstätig aber in Deutschland wohnhaft und unbeschränkt steuerpflichtig ist (Grenzgängerin) ist, haben wir noch unaufgefordert ein Formular E411 der französischen Familienkasse (CAF) nachgereicht, aus dem hervorgeht, daß unser Anspruch auf Familienleistungen primär in Deutschland besteht. Immerhin wohnen wir alle drei hier, und zahlen hier unsere Steuern.

Die Antwort der Familienkasse (auf das Formular E411) war die Zusendung eines weiter Kindergeldantrags-Formulars, diesmal “Kindergeld Ausland”, ohne jede weitere Erklärung, warum. Auch diesen haben wir umgehend ausgefüllt und zurückgesandt - das war gute fünf Wochen nach der Geburt, am 10. Oktober 2012. Seither passiert ist - für den Rest des Jahres 2012 zunächst mal gar nichts. Kein Schreiben, kein Bescheid, und natürlich auch kein Kindergeld.

Ich darf hinzufügen das wir verheiratet sind, dies unser erstes Kind ist, und wir für keine anderen Kindes Kindergeld beantragt haben oder bekommen. Ein ganz simpler Standardfall also. Auf mehrfache telefonische Nachfrage durften wir immerhin, scheibchenweise und über mehrere Monate, erfahren,

  • daß die Funkstille zumindest aus Sicht der Familienkasse “normal” ist - Eingangsbestätigungen versende man grundsätzlich nicht, hieß es.
  • man könne zwar sehen, daß man am X. und Y. von uns Post bekommen habe, aber was da drin war und ob die von uns eingereichten Unterlagen vollständig sind, das kann man uns leider nicht sagen
  • ein Kindergeldantrag brauche normalerweise gute sechs Wochen

Kurz vor Weihnachten haben wir erneut nachgefragt; hier wurde uns mitgeteilt, daß der Antrag bisher noch nicht einmal bearbeitet wurde. Er liegt also mittlerweile rund ein Vierteljahr in Offenburg, ohne daß sich irgendjemand je bemüßigt gefühlt hätte, ihn auch nur anzusehen! In der ersten Januarwoche erreichte uns dann, wohl als Reaktion auf unseren Anruf vor Weihnachten, ein Schreiben der Familienkasse, in dem wir zwei Formulare gebeten werden auszufüllen - exakt diese hatten wir aber, auf Bitten der Familienkasse, bereits im Oktober ausgefüllt zugesandt. Auf telefonisches Nachfragen hieß es nun, tja, die sein leider nie angekommen - und gemerkt hat das dort über drei Monate (!) niemand, weil sich in Offenburg niemand mit der Bearbeitung unseres Antrags befaßte. Jetzt senden wir die ganze Herrlichkeit (wir haben uns damals glücklicherweise eine Kopie gemacht) eben nochmal, diesmal per Einschreiben mit Rückschein. Und warten wieder.

Wir sind - Gott sei Dank - keine Familie, die durch das fehlende Geld jetzt existenziell bedroht ist, auch wenn die mehrere hundert Euro Kindergeld (für mittlerweile vier Lebensmonate), die wir dem Staat seit der Geburt zinslos leihen durften, durchaus weh tun.

Wesentlich unangenehmer ist die Art und Weise des Umgangs mit uns als Eltern: Keine Eingangsbestätigungen, keine irgendwie hilfreiche telefonischen Auskünfte, eine beeindruckende Indifferenz gegenüber Zeit und Geld von Eltern (sechs(!) Wochen übliche Bearbeitungszeit für einen Kindergeldantrag!? Über drei(!) Monate ohne daß der Antrag auch nur auf Vollständigkeit geprüft, geschweige denn wirklich bearbeitet wurde!?)). Man sitzt, wartet, hofft, und guckt dem Kontostand beim Schmelzen zu. Ruft man an, erhält man nur inhaltsleere Auskünfte und wird - wieder mal - vertröstet. Deprimierend, und übrigens ein riesiger Kontrast zur Kommunikation der L-Bank in Sachen Elterngeld, die alle diese Dinge wesentlich professioneller handhabt. 

Nun gut. Wir werden weiterhin warten, was bleibt uns auch anderes übrig. Ihnen als Landesvater erlauben wir uns aber hiermit einen kleinen Einblick in die Sorgen einer jungen Familie zu geben. Man wird sehen, wer schneller ist - die Familienkasse mit der Bearbeitung eines wahrlich nicht komplizierten Falls, oder unser Sohn mit dem Erlernen des Krabbelns oder, je nach Offenburger Gemütlichkeit, auch mit dem Laufen.

Mit freundlichen Grüßen

Zehn Dinge

Die Euro-Krise geht, zumindest journalistisch, offenbar ins Sommerloch: Leider kann man nicht mehr jede Woche über einen Krisengipfel berichten, und seit Draghi’s OMT-Bekanntgabe ist der Spaß am kolportieren immer neuer Nachrichten über Zinsen am Anleihenmarkt wohl auch geschrumpft. Sogar “die Griechen” sparen. Daher gibt’s jetzt ein neues Lästeropfer: Frankreich.

Was man halt so weiß über unser Nachbarland, das wird dann gerne zusammengematscht zu einem Brei, den der deutsche Michel nicht goutieren mag - die 35-Stunden Woche, großzügiger Sozialstaat, hohe Jugendarbeitslosigkeit, sozialistische Regierung die gleich mal das Rentenalter gesenkt hat.

Nunja - ich lasse mal dahin gestellt, ob das alles so stimmt. Immerhin kommen Firmen wie Bosch und BMW prima mit der 35-Stunden-Woche durchs Geschäftsjahr, und unser Sozialstaat gießkännelt über hundert wirkungsarme Familienleistungen übers Land - und die Strukturreformen die wir alle so toll finden, hat eine “Linke” Regierung gemacht. Es seien aber anläßlich des mittlerweile modischen Frankreich-Bashings mal ein paar Dinge aufgezählt, die wir Deutsche von der “Grande Nation” (in Frankreich nutzt übrigens keine alte Sau mehr dieses Wort..) lernen können:

  1. Ein Schnellzug heißt Schnellzug, weil er schnell am Ziel ist - nicht weil er schnell wieder anhält. 3h30 für Paris-Montpellier (über 700 km) kein Problem - während wir Deutsche im Jahr 2012 unser “Verkehrsprojekt deutsche Einheit” immer noch nicht fertig haben und man fünfeinhalb Stunden von München nach Berlin braucht.
  2. Kinder sterben nicht, wenn man sie in eine ordentliche Krippe mit ordentlichem Personal gibt. Sie lernen Dinge, die sie daheim nicht lernen könnten, und werden - auch MIT Krippenbesuch - zu absolut gesunden, glücklichen Menschen.
  3. Eltern, insbesondere Frauen, sind keine Rabeneltern oder -mütter, wenn sie Vollzeit arbeiten. Der “Konflikt” zwischen Beruf und Kind ist kein biologischer, sondern ein sozialer.
  4. Es ist unanständig, Löhne zu zahlen von denen man nicht wenigstens seine Miete zahlen und was zu Essen kaufen kann. Deswegen ist es kein böser Sozialismus, Dirigismus, interventionismus oder sonst ein -ismus, wenn der Staat hier eingreift. Wenn’s unbedingt mit einem Wort mit “ismus” bezeichnet werden soll, dann schlage ich vor: Humanismus.
  5. 45 Minuten sind zu kurz für eine Mittagspause.
  6. 18 Uhr ist zu früh für’s Abendessen
  7. Eine Rente, von der ein Durchschnittsverdiener nicht mehr leben kann, ist keine. Merke: Selbst in unserem demographiegeplagten Land wäre mit einem schrittweisen Anheben des Beitragssatzes in Richtung 23% das Rentenniveau halbwegs haltbar. Frankreich hat ein wesentlich kleineres Demographieproblem, und einen Beitragssatz von 25% - davon lassen sich vernünftige Renten grundsätzlich durchaus finanzieren. (Merke: Das gesetzliche Renteneintrittsalter in Frankreich ist 67 (vor Sarko: 65) Jahre, NICHT 60, wie man immer wieder liest (Man kann fünf Jahre früher gehen, wenn man erhebliche Abschläge in Kauf nimmt. Also ganz ähnlich wie bei uns.))
  8. Stellt man Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaften gleich, rechtlich wie steuerlich, löst dies nicht den Untergang des Abendlandes aus.
  9. Das Ehegattensplitting ist keine Familienförderung. Wer sich Ideen holen will, wie man ein Einkommensteuersystem familienfreundlich gestaltet, kann sich unter impots.gouv.fr  eine ganze Reihe vernünftiger Ideen abholen.
  10. Das Modell “Bürgerversicherung” für die Krankenversicherung funktioniert, und ist nicht wirklich teurer, aber wesentlich gerechter als unser “Extrawurst-für-Beamte”+“gesetzliche KV”+"alles privat"-System.
Wohlgemerkt: Frankreich hat durchaus gravierende strukturelle Probleme, und man wird sehen müssen, wie damit von der Politik umgegangen wird. Man sollte aber keinesfalls den Fehler machen, die deutsche Hartz-Soße unmodifiziert zu exportieren. Liebe Landsleute, seht Euch vor - es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, daß wir die Franzosen in nicht allzulanger Zeit um ihr modernes Staatswesen, ihre fantastische Infrastruktur, ihre Lebensqualität am Arbeitsplatz und im Privaten, und nicht zuletzt um ihren sozialen Frieden beneiden werden.