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Idee Nr. 3: Leistungsinformation

Problem?

Viele Menschen haben das Gefühl, sie zahlen nur einen Berg an Abgaben und Steuern, kriegen aber nichts zurück. Zudem sehen gesetzlich Versicherte nie, was die Leistungen die sie beim Arzt in Anspruch nehmen, eigentlich kosten - und auch nicht, ob das was da der Arzt mit der Kasse abrechnet zu dem passt, was er/sie tatsächlich gemcht hat.

Lösungsidee?

Ähnlich wie bei der Rentenkasse sollte jeder Bundesbürger einmal im Jahr automatisch per Brief eine kurze Leistungsbilanz der sozialversicherung bekommen. Da sollte aufgegliedert nach den jeweiligen Sicherungssystemen - Arbeit, Pflege, Kranken, Sozial,.. - wenigstens drinstehen, was er wann in Anspruch genommen bzw. bekommen hat. Ein Geldwert daran zu schreiben halte ich nichtmal für unbedingt notwendig. Entscheidend ist, dass jede(r) mal sieht, was er/sie eigentlich bekommt. Dann kann man sich entweder freuen oder wenigstens fundierter meckern :) Und Abrechnungsbetrug oder -fehlern z.B. bei Ärzten wäre auch leichter auf die Schliche zu kommen.

Haken?

Ein gewisser bürokratischer Aufwand - aber in Österreich z.B. gibt’s das schon, da könnte man sich informieren. Und natürlich der Datenschutz, aber das kriegt man schon gewuppt - die Daten liegen ja eh vor, man führt sie halt einmalig zusammen, versendet, und löscht sie wieder. Notfalls gibt’s halt mehrere Briefe, je Sozialsystem einen - nicht ganz so gut, aber sicher machbar.

Idee Nr 2: Allgemeine Sozialabgabe

Problem?

Gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet steigen seit geraumer Zeit die Einnahmen aus Kapital (dazu zählen auch z.B. Mieteinahmen) schneller als die Einnahmen aus Arbeit. Gleichzeitig gibt es immer weniger Menschen, die arbeiten, jung und gesund sind und daher als Nettozahler zur Verfügung stehen - und immer mehr, die netto mehr empfangen als sie einzahlen.

Es ist daher auf Deutsch gesagt eine saublöde Idee, die soziale Sicherung der Menschen hauptsächlich durch Abgaben auf einen ohnehin schwindenden und immer fragileren Posten aufzubauen: Erwerbseinkommen.

Lösungsidee?

Es sollte eine allgemeine Sozialabgabe auf alle Kapitaleinnahmen erhoben werden - bewußt: Abgabe, nicht Steuer (d.h. keine Verrechnung mit irgendwelchen Werbungskosten o.Ä.). Als Höhe würde ich mal 10% der Abgaben auf Arbeitseinkommen in den Ring werfen, ohne Beitragsbemessungsgrenze - d.h. 10% von (~19% Rentenversicherung, ~2% Arbeitslosenversicherung, ~15% Kranken- und ~2% Pflegeversicherung) - macht über den Dicken Daumen gepeilt 4%.

Haken?

Eigentlich keiner. Die Erhebung dürfte beschränkten bürokratischen Zusatzaufwand erzeugen (die Höhe der Einnahmen ist dem Staat eh bekannt, da ja zu versteuern). Natürlich wird das übliche Heulen der Besitzenden anheben (zu denen ich in diesem Fall übrigens auch gehöre - aber ich werde nicht mitheulen ;-) und Beispiele der am Hungertuch nagenden Witwe, die von Mieteinnahmen abhängt, die Runde machen.

Das mag im Einzelfall zutreffen - aber wenn selbst ein Mindestlohnempfänger den vollen Prozentsatz (d.h. das Zehnfache!) besagter 4% an Sozialabgaben auf sein geringes Einkommen blechen muss (und zusätzlich noch Lohnsteuer!), vermag ich nicht zu erkennen, warum man da von jemandem der aus seinem Besitz Einnahmen generiert, nicht wenigstens ein Zehntel des Engagements erwarten darf.

Nr 1: Atmende Sozialversicherungsgrenzen

Problem?

Wenn Kosten in Sozialsystemen steigen, müssen die Einnahmen irgendwie hochgefahren werden. In praxi passiert das durch Beitragssteigerungen, und zwar in Prozent vom Brutto - alle paar Jahre wieder zu beobachten bei der Krankenversicherung. Verbesserungsbedürftig daran ist

  • Sozialabgaben zahlen auch Menschen mit sehr geringem Einkommen, die keine oder wenig Einkommensteuer abführen müssen. Abgabenerhöhungen treffen daher gerade kleineren Einkommen überproportional stark im Vergleich zu Steuererhöhungen
  • durch die Beitragsbemessungsgrenze werden auch nur kleine bis mittlere/leicht gehobene Einkommen von einer prozentualen Beitragserhöhung erfasst - denn jeder Einkommenseuro, der über diese Grenze hinausragt, wird keinen Abgaben unterworfen

Lösungsidee?

Anstatt regelmäßig an den Prozentsätzen herumzudoktorn, sollte man die bei den wirklichen Absicherungssystemen (Kranken- und Pflegeversicherung, vielleicht auch Arbeitslosenversicherung, eher nicht Rentenversicherung) auf ein Fixum einfrieren (z.B. 2% für Arbeitslosenversicherung, 15% bei KV, 2% bei PV) und paritätisch, d.h. 50/50 zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt festschreiben.

Bei Löchern in der Kasse sollte die Beitragsbemessungsgrenze nach oben geschoben werden, nicht der Prozentsatz.

Haken?

Gibt’s wie immer einige, und ich maße mir nicht an, die alle durchgerechnet zu haben. Nur soviel:

  • bei Renten- und z.T. auch bei Arbeitslosenversicherung sind die Ausgaben nicht ganz unabhängig von der Beitragsbemessungsgrenze, weil diese bei der Berechnung der Leistungshähe mit einfließt. Diese Effekte sollte man gegenrechnen und m.E. die Rentenversicherung von Idee Nr. 1 ausnehmen
  • Krankenversicherungsabgaben sind steuerlich abzugsfähig, was zu Mindereinahmen des Staates aus Steuern führt. Den Effekt muss man auch einrechnen und berücksichtigen

 

Ideensammlung

Demnächst (naja) sind ja wieder Wahlen. Aus diesem, und auch einigen anderen Gründen, möchte ich in den kommenden Tagen und Wochen gerne wieder bloggen, und zwar über Dinge, die mir irgendwie seit Jahren in den politischen Ideen der Parteien fehlen.

Das betrifft in erster Linie Punkte aus dem sozio-ökonomischen Spektrum, einfach weil mich das am meisten interessiert. Sprich: Die Finanzierung und nachhaltige Gestaltung von sozialen Sicherungssystemen.

Wohlgemerkt: Das sind Ideen. Die sind naturgemäß von unterschiedlicher Qualität, und haben zwangsläufig auch eine gewisse politsche Note, die nicht jede(r) goutieren muß. Ich würde mich aber freuen, wenn sie mal diskutiert würden. Vielleicht liest’s ja jemand, der Wahlprogramme mitgestaltet oder in eine Partei Ideen einbringen kann und will.

Den Anfang macht heute die Idee Nummer 1 - Atmende Sozialversicherungsgrenzen. Viel Vergnügen ;--)

Wie man's auch formulieren könnte

Man liest immer und immer wieder jammervolle Artikel über die “Enteignung” des “Deutschen Sparers” durch die Niedrigzinspolitik, für die natürlich Herr Draghi alleine und persönlich verantwortlich ist. Bei mir persönlich erzeugt sowas inzwischen allergische Reaktionen: Wer für Anlagen ohne Risiko (Tagesgeld, Festgeld, Staatsanleihen der BRD) eine Rendite oberhalb der Inflationsrate als selbstverständlich und eine Art Bürgerrecht der Vermögenden erwartet, hat m.E. fundamentale ökonomische Prinzipien nicht begriffen.

Daher habe ich mir mal erlaubt, einige Überschriften zu formulieren, die ähnlich seriös oder polemisch sind wie das was mir in den letzten Jahren als SZ, Welt, FAZ, Spiegel, und LeFigaro-Leser so begegnet ist. Die Liste ließe sich ohne Weiteres ergänzen, wer weiß, vielleicht mache ich das auch noch. Et voilà, vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen dabei, die Dinge nicht immer so ultraschwarz zu sehen und sich mal drei Millimeter aus der “Wir Deutschen, Zahlmeister & Opfer Europas” rauszubewegen (hallo AfD).

  1. EZB-Zinsplitik ermöglicht Rentenanhebung für geburtenstarke Jahrgänge (Hint: Rentenpaket der GroKo kostet ca 160 Milliarden bis 2030, die niedrigen Zinsen für den Staat haben bereits heute 120 Milliarden an Zinskosten gespart - Quelle: Bundesbank, vgl. Handelsblatt)
  2. Draghis Niedrigzins enteignet spanische, italienische und französische Sparer (Hint: niedrige Guthabenzinsen auf festverzinsliche erstklassige Papiere und die daraus resultierenden Schwierigkeiten der Renditeerzielung für Rentenprodukte sind kein spezifisch deutsches Problem)
  3. Niedrigzins: Schweizer Betriebsrenten in Gefahr (Hint: Deutsche 10-Jahres-Anleihen bringen derzeit ca 1%. Schweizerische 0,45%; vgl. Punkt 2.)
  4. Super, Mario! So kommen auch SIE zur eigenen Immobilie (Bild-Zeitung) (Hint: Einer großen Zahl von Menschen aus der Mittelschicht ermöglichen die niedrigen Immozinsen überhaupt erst den Kauf eines Eigenheims, und damit einen Vermögensaufbau in ihnen sonst de facto unmöglichem Ausmaß)
  5. Jugend aus EU-Krisenstaaten rettet deutsches Wachstum (Hint: obwohl die autochtone Bevölkerung Deutschlands immer älter wird und auch immer kleiner, wächst die Bevölkerung, zum guten Teil dank hochqualifizierter EU-Ausländer, für deren Ausbildung wir nix bezahlt haben, und die hier aber arbeiten und fleißig unsere Sozialabgaben und hohen Einkommensteuern bezahlen)

Eltern/Zeit, Eltern/Geld, Kinder/Geld

Nach mittlerweile einem guten Jahr als Eltern in Deutschland dürfen wir, bzw. darf ich als Papa mal ein wenig diese Zeit Revue passieren lassen. Es gab und gibt da doch so einige Dinge, die mir oder uns sehr merkwürdig vorkommen, ja teilweise doch arg sauer aufstoßen. Meistens teilen sich diese in einen allgemeinen Teil (politisch, finanziell, gesellschaftlich) und einen persönlichen. Bei Ersterem bemühe ich mich um Sachlichkeit, bei letzterem explizit nicht. Wem das nicht schmeckt, der muß es ja nicht essen. Also:

Elterngeld bzw. Elternzeit

Das Elterngeld wird einem regelmäßig als Wundermittel zur Partizipation von Vätern an der Babybetreuung und, weil ja an die Höhe des letzten Erwerbseinkommens gekoppelt, zur Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit gepriesen. Es mag gerne sein, daß es ein Riesenfortschritt gegenüber dem war, was vorher existierte. De facto ist es aber nach wie vor so gebaut, daß einer (99% die Frau) 12 Monate daheim bleiben soll, und der Mann halt auch mal zwei Monate darf. Oder meinetwegen auch: “soll”.

Will man sich die Betreuung wirklich paritätisch als Eltern teilen und nimmt beide gleichzeitig Elternzeit&geld, kommt man maximal bis zum Ende des siebten Lebensmonats des Kindes - und dann? der Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz gilt erst ab 1 Jahr, und auch den kriegen die Städte ja nicht erfüllt. Und wenn man eben nicht komplett seine Erwerbstätigkeit unterbricht, sondern nach der Geburt in Teilzeit weiterarbeitet, ist man gleich doppelt gekniffen: Man hat nicht nur ordentlich Streß im Alltag, sondern neben den Einkommensverlusten auch noch exorbitante Kosten für die Kinderbetreuung. Und ist nach sieben Monaten eben auch wieder am Ende.

Fazit: Am besten fährt man, wenn wie gehabt die Frau gar nicht arbeitet, und der Mann halt auch mal zwei Monate daheim ist (und da was auch immer tut). Teilt man sich Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit von Anfang an paritätisch, bekommt man eine eher symbolische Hilfe, die gerade bei den so genannten Besserverdienenden den Gehaltsverlust nicht auch nur annähernd ausgleicht, plus eine Menge Streß im Alltag, und erhebliche Kosten. Es gibt keinen irgendwie gearteten Anreiz durch das Elterngeld in der derzeitigen Ausgestaltung, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung von Anfang an unter den Eltern gleich aufzuteilen, und die finanziellen Möglichkeiten auf einen guten Teil ihres Gehalts zu verzichten plus hunderte von Euro pro Monat für eine Tagespflege zu bezahlen, dürfte in der Praxis kaum jemand haben.

Wir haben’s trotzdem gemacht, und stellenweise halt unseren Lebensunterhalt aus Erspartem bestritten. Ich würd’s auch jederzeit wieder so machen - zwei “Vätermonate” sind, mit Verlaub, ein Witz. Ein Kind hat zwei Eltern, von Anfang an. Jeden Monat. 

Krabbelgruppen und -veranstaltungen

...sind in Deutschland fast immer irgendwann tagsüber unter der Woche. Da kann kein Berufstätiger mithalten, und das trifft in der Praxis weit überwiegend die Väter. Für mich ist das Sexismus, genau wie Titel wie “Mutter-Kind-Gruppe” für Krabbelgruppen, wo man dann auf Nachfrage hören darf, daß man als Mann ja im Prinzip auch kommen dürfte.

Verdammt - was ist so schwer daran, wenigstens einen Termin für Sport, Musik, Schwimmen mit Kindern am Wochenende anzubieten!? Die anderen sieben Termine für die jeweiligen Angebote dürfen meinetwegen gerne weiterhin Mo-Fr 9-17h irgendwann liegen.

Die Babygruppe hieß hier immerhin “Babycafe”, nicht “Stilltreff” oder “Mutter-Kind-Treff” oder irgend ein anderer Titel aus den 50ern, für Neugeborene & bis 1-Jährige. In den ganzen Monaten habe ich da genau ein mal einen anderen Vater getroffen. Die Gruppe war immer Montag vormittags.

Kommentare

Mein Repertoire an gutgemeinten Ratschlägen und blöden Kommentaren, auf die ich gut verzichten kann, ist seit der Geburt unseres Sohnes explosionsartig gewachsen.  Das reicht von Zeitungskommentaren wie den unlängst von Norbert Blüm in der FAS, der der Meinung war, Väter könnten sich eben nicht um kleine Kinder kümmern (und der Untergang des Abendlandes drohe, weil Mütter jetzt schon arbeiten gehen, bevor ihre Kinder in der Pubertät oder darüber hinaus sind). Damit hat er sicher nicht mich oder uns persönlich gemeint, aber solches Zeug hört man in der einen oder anderen Darreichungsform regelmäßig.

Genau wie die verdrehten Augen, das “Oh Gott das arme Kind”, das “Ihr wißt ja gar nicht was Ihr dem Kind antut” etc. pp., wenn bemerkt wird, daß wir beide vier Tage pro Woche oder gar Vollzeit arbeiten, oder wenn man einen Säugling mal nicht nur im tüllverzierten Himmelbett im elterlichen Schlafzimmer einhegt, sondern eben auch mal auf eine Kutschfahrt durchs Wattenmeer mitnimmt. Oder die gutgemeinten Kommentare in Richtung Kind, wenn man als Papa in einem Zug mal eine Windel wechselt oder ein quengelnden Säugling füttert - “die Mama kommt ja gleich”. NEIN, die Mama liest jetzt ihr Buch, schläft, macht Pipi, ist arbeiten, oder was auch immer. Auch ein Mann kann eine Windel wechseln, und man braucht NICHT zwei Leute (oder unbedingt mindestens eine Frau), um eines Säuglings Herr zu werden. Wirklich.

Die mit Abstand unentspannteste Gruppe in dieser Hinsicht, zumindest mir gegenüber, waren übrigens Frauen ungefähr meiner Altersklasse. Ein paar der Erlebnisse hatte ich ja exemplarisch auch mal gebloggt, aber das ist bei weitem nicht alles. Wie man(n)’s auch macht, es ist nie recht: Arbeite ich vollzeitnah, lasse ich natürlich automatisch meine Frau mit dem Kind und der Hausarbeit im Stich, ohne weiteren Beleg, qua Geschlecht eben. Erzähle ich, daß meine Frau genauso viel oder wenig arbeitet wie ich, bin ich ein herzloses Schwein, weil ich der jungen Mutter die Intimität mit dem Säugling stehle (“ihr könnt es Euch doch leisten, ihr müßt doch gar nicht beide arbeiten, oder”?). Daß ich, genau wie meine Frau, jede Nacht aufgestanden bin um den Zwerg zu füttern, daß ich genau so viele Stinke- und sonstige Windeln gewechselt habe wie sie, daß ich meine Arbeitszeit auf genau ihr Niveau reduziert habe (oder sie auf meines) - das glaubt einem keine Sau, vielleicht noch gerade so den letzten Punkt.

Unser Sohn wird selbstverständlich bindungsunfähig, miserabel schlafen, oder ständig weinen weil Mama nicht immer für ihn da ist, oder oder oder. Ich warte noch darauf, daß mir jemand erzählt, der viele Kontakt mit seinem Windeln wechselnden, Breichen kochenden, Lieder singenden Papa macht ihn bestimmt mal schwul. Jo mei. Männer können, ja sollen auch nicht mit Babies, siehe Herr Blüm.

Im Allgemeinen ist mir das ziemlich wurscht. Die allergrößte Mehrzahl der Damen und Herren äußert sich positiv oder eben auch einfach gar nicht (mir durchaus auch sehr sympathisch). Trotzdem fällt’s auf, gerade im Kontrast zu dem hier ja sehr nahen Frankreich, oder zu meinen mir persönlich noch näheren Vorstellungen von Elternschaft. Meiner Meinung nach sollten wir Deutschen - und zwar Frauen und Männer - mal den Stock aus dem A.sch holen, was Kinder und Familie angeht. Die Welt dreht sich nach so einer Geburt weiter, und so schön es ist, sich mal eine Auszeit für die Familie zu gönnen, so sehr sollte man sich von Anfang an klar machen: Das Leben, einschließlich des Berufslebens geht weiter (wartet aber nicht auf einen), und je früher man wieder zur Normalität zurückkehrt, desto einfacher ist es für alle Beteiligten, inklusive der Kinder. Das sehen zumindestens die Westdeutschen auf breiter Front anders. Ein Ergebnis dessen können wir hier bestaunen.

Die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns auf staatlichen finanziellen Subventionen ausruhen (Ehegattensplitting, beitragsfreie Mitversicherung von nicht arbeitenden Ehegatten in der Krankenversicherung, drei Jahre geschenkt bie der Rente, Kindergeld,.. zusammen 57 Milliarden Euro pro Jahr schwer), ist mir ein Rätsel. Und ich vermag z.B. überhaupt nicht einzusehen, warum zwei arbeitende Normalverdiener (2700 brutto im Monat) mehr in die Krankenversicherung blechen müssen als ein verheirateter, der alleine 2x2700=5400 brutto verdient, und damit die Kostenfreiheit des Ehepartners des letztgenannten subventionieren  - und zwar egal ob er Kinder hat oder nicht. Das ist aber leider Realität.

Ja wie denn nun?

Insgesamt sind mir meine LandsleutInnen erheblich zu unentspannt was den Umgang mit Kindern angeht. Es wird noch das kleinste Detail optimiert, ein absurder Druck auf Mütter ausgeübt was Stillen angeht, die Ernährung, die Ausgestaltung des Kinderzimmers und des Betts, den Kinderwagen, whatever. Wir sind als Gesellschaft viel zu oft absolute Detailoptimierungsfetischisten, und geraten schnellstens in extreme Verunsicherung, ja fast schon Panik. Und, sorry, die ist vielleicht zum Teil von “den anderen” gemacht, aber wie sehr man sich verrückt machen läßt, dafür ist man und frau schon immer noch selber verantwortlich.

Letzten Endes muß man sich in der eigenen Haut wohl fühlen, dann fühlt sich auch das Kind wohl. Wie man das anstellt, muß jeder selber wissen. Mit permanenten Ängstlichkeitsattacken oder jahrelangen Zwangspausen im Erwerbsleben (“ich würde ja gern arbeiten, aber es ist doch noch so klein..”) ist das nur bedingt zu erreichen. Und: Es ist ausgemachter Schwachsinn, daß Kinder schwul, psychopathisch, bindungsunfähig oder sonstwas “böses” werden, wenn sie schon vor ihrem ersten Geburtstag von mehr als einer Person (der Mutter) betreut werden.

Diesen Schwachsinn haben uns, mit Verlaub, die Nazis eingetrichtert (und in Westdeutschland nach dem Krieg dann in unschöner Kontinuität die Kirche), und wir kriegen ihn bis heute nicht aus der Birne. Und sterben vor Sorge (“wann kann ich denn wieder arbeiten..?” - auf die Frage gibt’s nur eine Antwort: Wenn Du’s willst. Dein Kind wird Dir nie sagen “du Mama, ab heute darfst Du wieder”, und diese Rolle steht ihm übrigens auch nicht zu, sondern liegt in der alleinigen Entscheidungskompetenz der Eltern). Wir sprechen von “weggeben” (in eine Kita oder zur Tagesmutter), wo sich andere Völker freuen, daß ihre Sprößlinge was erleben und nicht nur den ganzen Tag mit Mama daheim versauern. Wir reden von “fremdbetreut” - das Wort gibt’s im Französischen gar nicht, da würde man allerhöchstens von “professionell betreut” sprechen können, wenn überhaupt. Das Konzept, und auch das Wort “Rabenmutter” oder “Raben-sonstwas” ist etwas extrem Deutsches.

Und wir trauen Vätern kaum etwas zu - weder die kompetente Betreuung von Säuglingen, noch nehmen wir ihnen ab daß sie sich wirklich an Hausarbeit, Kindererziehung, Windelwechseln oder durchgemachten Nächten beteiligt haben, beteiligen wollen, oder beteiligen können. Wir schaffen zwar ein Dispositiv (Elternzeit + -geld), daß es ihnen erlaubt, zwei oder mehr Monate überhaupt nicht mehr zu arbeiten, aber wir haben im Jahr 2013 noch keinerlei Rechtssicherheit für Väter geschaffen, die bei der Geburt einfach nur Sonderurlaub nehmen wollen, ohne gleich alles monatelang stehen zu lassen. Und da, wo’s die Sicherheit einigermaßen per Tarifvertrag gibt, gestehen wir ihnen ein-zwei Tage zu, sofern das Kind freundlicherweise nicht an einem Wochenende kommt. Da sind die Franzosen z.B. mit ihrem “congé de paternité et d’accueil de l’enfant” mal wieder Lichtjahre voraus. Auf so eine simple Idee, die den Vätern und damit der ganzen Familie helfen würde kommt hier keiner, weil bei uns solche Themen stets mit der Mutter als alleiniger Hauptperson diskutiert werden.

Das alles ist ungeheuer schade, denn Eltern werden ist eine ganz und gar formidable Sache, bei der wir alle drei, Eltern wie Sohnemann, jeden Tag einen Heidenspaß hatten und haben. Geholfen hat uns mit Sicherheit die konsequente Verbannung von allem stock-ähnlichem aus dem Analbereich, das strikte Ersetzen von “darf ich denn?” “soll ich denn?” und “muß ich denn?” durch “einfach machen”, und der engen Orientierung an der Maxime: 50/50. Paßt.





Francois, we have a problem

Es ist ja nicht so, als hätte's noch keiner vorhergesagt: Frankreichs Häusermarkt geht baden. Und in Ergänzung (=Verschärfung) dessen was ich im Dezember 2010 schrieb (vgl. Da Friggit' tunnel, man) hat die Regierung zwischenzeitlich noch einige Gesetze verabschiedet, die den Markt deutlich gebremst haben (wesentlich höhere Besteuerungen von Gewinnen beim Verkauf, Verringerung von verbilligten Krediten wie dem Pret a Taux Zero) - zudem ist die Arbeitslosigkeit heute noch höher als damals.

Das derzeitige Preisniveau hat auch die Käuferschichten erheblich eingeschränkt, junge Leute z.B. können derzeit kaum mehr kaufen und sind daher vom Markt weitgehend verschwunden (vgl. Le Figaro vom April 2012 - L'immobillier est devenu inaccessible aux plus jeunes.)

Ich hoffe weiterhin, daß ich mich geirrt habe, aber so arg danach aussehen mag es irgendwie nicht.

Schaue und staune

Man nehme: Einen renditestarken, aber konservativen Riester-Tarif lt. Stiftung Warentest, z.B. die klassische Riester-Rente der Cosmosdirekt. Dann rechne man aus, was z.B eine 30jährige Frau mit 67 an garantierter (!) Rente bekommt, wenn sie ab sofort jeden Monat 100 EUR einzahlt. Resultat: 219,75 EUR, also nominal und auf den Monat bezogen das 2.2fache der Einzahlung.

Jetzt vergleiche man, was die gleiche Person bekommt, wenn sie in die gesetzliche Rente blecht. Resultat: für 20% vom Brutto (das ist in etwa der Beitragssatz) erwartet einen eine Rente von 43% des durchschnittlichen beitragspflichtigen Bruttos. Also ein Faktor von 43/20=~2,2 * die Einzahlung, wiederum auf den Monat bezogen.

Oha.

Der Vergleich hinkt natürlich, an folgenden Stellen: Zahlt man brav 45 Jahre in den Riester ein anstatt die 37 aus meinem Beispiel (so lange muß man in die gesetzliche blechen, um auf die 43% zu kommen), ist der Faktor für den Riester angenehmer. ABER, auch die gesetzliche Rente ist de facto gut 8 Prozent höher, weil sie nämlich den Arbeitgeberanteil der Krankenversicherung beinhaltet.

Bei allem Unken über sie - die Rendite der gesetzlichen ist wirklich nicht berauschend - finde ich die oh so großartige private vorsorge im Lichte dieser Zahlen weit weniger spektakulär als man gemeint haben möge. Natürlich, die Rendite des Einzelnen ist toller als hier berechnet, weil die Eigenbeiträge (hier: die 100 EUR) durch die staatliche Zuzahlung gemindert würden und so ein angenehmeres Verhältnis von individueller Einzahlung und Resultat entstünde. Volkswirtschaftlich ist das aber wurscht, der Staat könnte die Kohle die er zuschießt ja auch in die gesetzliche Rente buttern.

Deutsch als Standortfaktor

Die französische Zeitung le Figaro sieht Arbeitsplätze in Gefahr, weil immer weniger junge Elsässer Deutsch können, und ihnen damit die bisher wohl gern genutzte Möglichkeit verwehrt bleibt, in Deutschland zu arbeiten.

Interessant finde ich, daß immerhin acht Prozent (!) der elsässischen Erwerbsbevölkerung in Deutschland arbeiten. Trotzdem hat das Elsass eine Arbeitslosigkeit zwischen acht und neun Prozent (leicht niedriger als der französische Durchschnitt), während auf der deutschen Rheinseite im gleichen Zeitraum (Mitte/Ende 2011) eine drei vor dem Komma steht.

Der Preis des Geldes

In der Regel hat der vielzitierte Durchschnittsbürger nicht die nötigen Mittel, um sich sein Eigenheim aus eigener Tasche zu bezahlen. Und braucht daher einen Kredit. Genau um genau geht es im heutigen Abschnitt über Immobilien: Wie kommen eigentlich die Zinsen zustande? Wieviel Eigenkapital ist sinnvoll? Welche Tilgung ist zu empfehlen?
"Der Preis des Geldes" vollständig lesen

Betongold kann man (auch) nicht essen..

Man hört’s allerorten - Immobilien sind eine großartige Sache, schützen vor Inflation, man spart die Miete, und derzeit sind die Bauzinsen historisch niedrig, also schnell kaufen! Nunja, vielleicht stimmt das alles - aber wie findet man heraus, ob das Objekt das man sich ausgeguckt hat, auch einen realistischen Preis hat? Wie kommen die Preise überhaupt zustande?


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Betongold

Man liest es allerorten, seit locker zwei Jahren - wenn man eine Immobilie kaufen will, ist jetzt der Zeitpunkt. Die Zinsen sind niedrig, und die Zukunft unseres Papiergeldes namens Euro eher unsicher, und auch Aktien machen nicht mehr das was man von ihnen gewohnt ist. Die Einschlägige Regenbogen/Fachpresse[tm] erklärt einem mit schöner Regelmäßigkeit, wie billig das Geld ist und andere Binsenweisheiten wie “Lage, Lage, Lage” etc. Gemischt mit üblichen Vorurteilen wie “eine Immobilie verliert nie an Wert” oder dem allfälligen Glauben an den fantastischen Inflationsschutz von Betongold hat sich garantiert so mancher ein schönes, aber mit den Jahren und Jahrzehnten immer problematischer werdendes Objekt angeschafft.

Ich habe daher beschlossen, über das Thema mal ein wenig zu bloggen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich einigen Fragen und Behauptungen nachgehen und auch beliebte Vorurteile auf den Prüfstand stellen. Und, ja, auch mal ein paar Begriffe erklären. Wie zum Beispiel:

  • was ist eine Immobilie eigentlich wert? Von Ertrags-, Sach-, und Verkehrswert zum Kauf- und Wiederverkaufpreis.
  • schützt eine Immobilie wirklich vor Inflation?
  • Instandhaltung uns Reparatur - oder: am falschen Ende sparen tut weh
Anfangen werden wir mal mit dem Wertbegriff.. stay tuned.