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Inkrement

Freunde,
Genossen,
Römer!

Ein Jahr geht zuende, und traditionell ist dies die Zeit, in der jeder und jede sich bemüßigt fühlt, nochmals im eigenen Bauchnabel zu pulen um festzustellen, ob oder daß etwas in den vergangenen zwölf Monaten Spuren hinterlassen hat und es sich lohnt, dieses einer eingehenderen Begutachtung zu unterziehen.

Dem ist meistens nicht so. Deswegen hält man bzw. frau sich gerne an irgendwelchen äußeren Umständen fest, die in Form verschieden gearteter Sauen im Laufe des Jahres durch das globale Dorf getrieben wurden. Platz eins dieser Viecher ist in diesem Jahr meines Erachtens nach unangefochten der Klimawandel. 3 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr dürfte rein rechnerisch ein Erdenbürger in die Luft blasen, damit wir nicht alle der Verdammnis anheimfallen (bzw. unsere Kinder), und es eine realistische Chance gibt, daß wir unsere Rente mit 67 noch erleben und nicht vorher durch Hitze oder Kälte zermatscht wurden.

Davon sind wir weit entfernt. In Ermangelung von besseren Alternativen bedienen wir uns einem in dieser Zeit sehr beliebten Stilmittels, namentlich dem des Heiligen Sachzwangs[tm], des “geht ja nicht anders”, wohlbekannt - wenn auch in leicht anderer Geschmacksrichtung - spätestens seit der Ära Thatcher unter dem erotisch-knackigen Vornamen TINA. So pendlerpauschalieren wir uns munter voran und beweinen in vorauseilendem Gehorsam den nahen Tod der deutschen Automobilindustrie durch Tempolimit und klimainduzierte Grenzwerte der EU. Immer nur Rosinen, das ist eben der Fluch des Schlaraffenlands.

Auch sonst sehen wir uns in unseren elementarsten, grundsätzlichen Freiheitsrechten massiv beschnitten - dürfen wir doch ab Januar in den meisten Bundesländern andere Leute nicht mehr ohne weiteres mit unserem hoch besteuerten, freiheitlich-abenteuerlichen Giftqualm einnebeln. Lächerliche vierzig Jahre überfällig, sorgen solche Gesetze mit Sicherheit für eine stärkere Entlastung unserer Gesundheitssysteme und deren maroder Kassen, als es der heitere Reform-Stückwerks-Reigen unserer diverser Regierungen bisher vermocht hat. Prävention kann so einfach sein.

Weniger ins Gewicht fällt in der öffentlichen Wahrnehmung die zugegeben wirklich nebensächliche Tatsache, daß wir ab morgen allesamt unter Generalverdacht stehen oder wenigstens so behandelt werden: Mit der Vorratsdatenspeicherung, die - übrigens europaweit - die Provider zwingt, alle Verkehrsdaten (eMail (Absender, Empfänger, Betreff,..), Handy (IMEI, Rufnummer, Standort,..) usw. usf. usf.) ein halbes Jahr rückwirkend zu speichern. Von jedem. Ja, auch von Dir. Wer’s genau wissen will - Augen auf und durch. Einzige Hoffnungsschimmer waren die trotz grauenhaftem Wetter durchaus zahlreichen Teilnehmer an der Demo gegen diesen Irrsinn. Erstaunlicherweise kann auch das Gefühl, einer von vielen zu sein, sehr befreiend wirken. Trotzdem - wer in der Demokratie schläft, wird in der Diktatur aufwachen. Meiner Meinung nach ist selbst dösen nicht erlaubt.

Nunja, genug gegrantelt. Ich für meinen Teil gehe mit durchaus positiven Gefühlen in das neue Jahr, war doch das alte ebenso ereignis- wie abwechslungsreich, und trotz aller Planungen weit dynamischer und voller Veränderungen, als je gedacht. Einen ganzen Sack voller guter Vorsätze nehme ich ebenfalls mit, von denen die ersten bereits in der Umsetzung sind. Einer davon sei hier ausnahmsweise bekanntgegeben: 2008 werde ich, ganz im Sinne der CSR des Kleinunternehmers, meine berufliche Mobilität (die ja ohnehin schon komplett autofrei und fast flugfrei ist), klimaneutral abwickeln. Ist ja nicht wirklich schwierig, und ergänzt sich mit gewissen anderen Maßnahmen aus dem Jahresverlauf.

Zitat des Tages

Die Eichel von Hans Eichel
war früher voller Speichel

Doch das war vor langer Zeit
heute spar’n wir Feuchtigkeit

-- Rainald Grebe in Hans Eichel, auf seinem Abschiedskonzert

Zitat des Tages

Wenn jemand mit einem Silberlöffel in der Scheiße rührt,
veredelt das den Vorgang in keinster Weise.

-- Dieter Hildebrandt, bei seinem Auftritt im Gasteig am Donnerstag

Leicht zu früh gefreut

Offenbar bin ich duch meine neue Platte ein Opfer von Bug 147858 geworden. Naja, ab 2.6.23 dann wohl nicht mehr, und meinen Daten geht’s nach wie vor prächtig. Trotzdem wäre es schön, wenn NCQ auch genutzt werden könnte, wenn’s die Platte offenbar schon kann. Der Workaround ist allerdings immerhin denkbar simpel:

echo 1 > /sys/block/sda/device/queue_depth


Enfin, elle est là!

Ich habe sie in der Hand, endlich, meine neue Bahncard! Natürlich fehlt noch der ziemlich fette Reisegutschein, der mir den Restwert der alten gutschreibt, aber hey - wir wollen die Bahn ja mal nicht überfordern ;)

Toll ist: Ab sofort kriegt man in der ersten Klasse noch mehr den Hintern poliert. Gratis WLAN in den Lounges, 200 neue Angestellte, die einen anlächeln werden, Wilkommensgeschenke, usw. usf.

Schade ist: Seit 9.12. ist Railplus gratis mit dabei. Aber natürlich nur bei neuen Kunden - ich darf weiterhin 15 EUR zuzahlen, wenn ich das nutzen will (25% Rabatt auf ausländischen Strecken..), oder muß ein Jahr warten, bis ich wieder eine neue Bahncard bekomme. Naja, man kann nicht alles haben :)

Konversation

A, verwundert: Sie glauben wirklich so sehr an das Gute?
B: Nein, eigentlich nicht. Ich find’ bloß das Böse so scheiße.