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Kaum tauscht man...

..uralte schwarz-graue Auslegware gegen Buchenparkett, schon erkennt man die eigene Wohnung kaum wieder. Ich glaube wirklich, mir fiele kaum etwas ein, was mit so wenig Aufwand eine so große Steigerung der eigenen Lebensqualität erzeugt .-)

Was Parkett angeht, übrigens: Die Preisbänder von Laminat und Parkett sind mittlerweile zu meinem Erstaunen stark überlappend. Laminat kostet zwischen vier und dreißig Euro pro qm, Fertigparkett geht bei ca 12 EUR los. Nachteil von Parkett ist natürlich, daß es verkratzt, ergo in sehr beanspruchten Ecken (wie z.B. direkt an der Eingangstür) nicht verlegt werden sollte. Aber vom Trittschall und auch vom Gefühl an den Füßen her ist es einfach was ganz anderes, auf Holz zu laufen als auf buntem Plastik mit Holzunterlage (Laminat ;)


Kaffee als Wissenschaft

Mittlerweile bin ich ja geraume Zeit glücklicher Jurist (wir berichteten ;-) und habe mich daher auch durch diverse Einstellungen und natürlich auch verschiedene Kaffeesorten gekostet. Es würde etwas arg weit führen, besonders die Einstellungsorgien zu erzählen. Management Summary: Man kann absolut alles verändern - Temperatur, Mahlgrad, Wassermenge, Stärke, und natürlich die Bohnen. Je nach Einstellungen ist das Resultat irgendwo zwischen fantastisch und scheußlich, wobei man, wenn man keine Erfahrungswerte hat und daher nicht so recht weiß was man da grade macht, zu 70% eher im Spektrum zwischen “naja” und “börks” landet. Letzten Endes wie bei allen etwas feineren Lebensmitteln, auch bei Wein verhält sich das ja so ähnlich.

Was die Sorten angeht, habe ich mich inzwischen auf zwei Varianten von Cellini eingeschossen: Einmal der Cellini Prestigio, der auch von Warentest gut getestet wurde und der beste Kaffee im Test ist, der unterhalb meiner “das ist mir zu teuer”-Grenze liegt ;) Als Espresso oder auch als Kaffee getrunken schmeckt er wirklich ausgezeichnet, und weil’s 100% Arabica ist, kriegt man auch nicht so leicht Herzflattern. 

Aus Blog

Der zweite, der mir gefällt ist der “Crema Speciale” - mit einem hohen Robusta-Anteil schmeckt der deutlich kräftiger und dürfte auch einiges mehr Koffein haben. Das ist als reines Kaffeegetränk mir in der Regel zu stark, aber da ich viel Cappucino trinke, paßt das wieder gut - mit Milch gemischt ist es durchaus vorteilhaft, einen Kaffe mit kräftigerem Aroma zu haben. 

Die Einstellorgie hat sich jetzt auf folgende Parameter konvergiert: Relativ grober Mahlgrad für beide Sorten, Normale Temperatur, 45 ml für Espresso, 95 für Cappucino, 14 Sekunden Milchschaum, und beide Getränke per Default in “Stark”, wobei ich spätestens beim Nachmittagskaffe immer auf “Normal” oder “Mild” umstelle, sonst geht man so nervös in den Feierabend ;-)

Insgesamt, und speziell nach einer Woche “Petra-Padkaffe” bei den Schwiegereltern bin ich hochzufrieden mit meiner Anschaffung der Jura. Selbst das allfällige Reinigen ab und an macht mir gar nix aus, obwohl ich da eigentlich nie ein Fan von war: Letztenendes geht es doch recht schnell, und gehört halt irgendwie dazu. Man zahlt für die Verbesserung der Getränkequalität gegenüber einer guten Padmaschine wie der Petra zwar einen horrenden Preis, aber ich finde, so ab und an darf man sich auch mal was leisten, was nicht in erster Linie praktisch ist, sondern einfach nur Spaß machen soll ;-)

Wenn Griechen hinter Griechen kriechen...

..na dann - mal ein paar Gedanken, nur grob sortiert, zu dieser ganzen Schuldenmisere allgemein und speziell in Griechenland:

Zum einen hört man nunmehr, daß die ganzen Sparorgien und Privatisierungsvorhaben, die die Troika dem Land aufgenötigt haben, nicht schnell genug voran gehen und offenbar auch nicht den gewünschten Effekt - weniger neue Schulden, Haushaltskonsolidierung - haben. Ich persönlich finde, das war wahrlich nicht schwer vorherzusehen: Durch rigoroses Sparen wird keine Volkswirtschaft kurzfristig wieder gesund. Daß den hochbezahlten Ökonominnen und Ökonomen auch nach Gott weiß wie vielen Schuldenkrisen in anderen Teilen der Welt immer noch nichts Clevereres eingefallen ist, ist ein absolutes Armutszeugnis für die Wissenschaft “Volkswirtschaftslehre”. Es läßt für mich auch den Schluß zu, daß man den Prognosen und Heilslehren der vermeintlichen Wirtschaftsgelehrten mit einer gehörigen Portion Mißtrauen begegnen muß. Ganz offensichtlich haben die zwar schönere Worte, um bestimmte Sachverhalte zu beschreiben, aber selber wenig Handwerkszeug, um solche Situationen in Ordnung zu bringen. Was sie aber gut durch überzeugtes Auftreten auszugleichen verstehen, keine Frage.

Zweitens verstehe ich nicht, warum man nicht wenigstens den Versuch gemacht hat, auch die Leute in Griechenland an der Rettung zu beteiligen, die jahre- und jahrzehntelang davon profitiert haben. Warum kreiert die sonst so findige Finanzbranche nicht einen neuen Typus Wertpapier für Griechenland, der im Wesentlichen so funktioniert: Jeder, der eine Sache (z.B. Immobilien, Swimmingpools, Autos) in irgendeiner Form vor dem Fiskus verheimlicht hat, muß nicht “nur” nachversteuern, sondern muß diese Sache auch für eine Zeit X (z.B 10 Jahre) dem Staat als Sicherheit zur Verfügung stellen. Somit stünde neu ausgegebenen Griechischen Staatsanleihen zumindest etwas Sicherheit zur Verfügung.

Mir ist klar, daß das nicht alleine den Karren aus dem Dreck ziehen würde, und daß die Idee durchaus noch einiges an Feinschliff bedürfte um zu funktionieren. Es hätte aber mindestens mal psychologisch einen sehr besänftigenden Effekt auf all die arbeitslosen Jugendlichen, auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und auf die Unternehmen, die unter den Kürzungsorgien im Staatswesen übelst leiden und den berechtigten Eindruck haben, sie zahlen nachträglich eine Rechnung für ein Gelage, an dem sie nicht mal teilgenommen haben. Außerdem wäre es endlich mal eine vernünftige Anwendung der von der Finanzbranche in der Vergangenheit ja weit entwickelten Technik, Papiere mit diversen und teilweise auch dubiosen Sicherheiten zu bündeln.

Des Weiteren sollte man sich m.E. gerade als Deutscher mal vor Augen halten: Daß die Zinssätze in Euroland sehr nahe beieinander lagen und somit für Länder wie Griechenland oder Italien die Schulden so billig wurden, daß man dankbar neue gemacht hat - das liegt nicht daran, daß die Politiker in den Süd-Ländern etwas falsch gemacht hätten. Sondern: die Märkte haben von Anfang an eingepreist, daß im Fall der Fälle das passieren würde was jetzt geschieht - Euroland wird zur Solidargemeinschaft, auch wenn das bis vor kurzem noch auf keinem Papier stand. Anders gesagt, können sich die ach so allwissenden Märkte auch mal irren (denn Griechenland wird um einen Schuldenschnitt nicht herumkommen), und korrigieren sich dann so wie jetzt, wie Märkte halt so sind, hysterisch und sehr sehr schnell, gerne auch mal überreagierend (40 Prozent Rendite für griechische Staatsanleihen!?). Quintessenz: Eine irrational heftige Korrektur kann auch in und mit .de schnell passieren - wir zahlen derzeit für unsere Schulden derart lächerliche Zinsen, daß man sich ins Gedächtnis rufen sollte, daß diese mit Sicherheit nicht so bleiben werden (zehnjährige Staatsanleihen werfen derzeit grade mal zwei Prozent Rendite ab).

Noch ein Punkt, den ich beim besten Willen nicht verstehe: Warum ist es so schwer, zeitlich begrenzte und klar zweckgebundene Sondersteuern einzuführen, um das Budget auszubalancieren? Und, wichtiger, warum zum Henker bedient man sich nicht, gerade in .de, da wo wirklich viel da ist. Ich begreife nicht warum wir uns so schwer damit tun, auch Einkünfte z.B. aus Kapital oder Vermietung mit einer meinetwegen kleinen Sozialabgabe zu belegen. In Frankreich gibt’s das beispielsweise schon (CSG) - warum nochmal ganz genau soll die passive Einnahmequelle “Kapital” derart begünstigt werden gegenüber menschlicher Arbeit? Denn, nota bene, das was die Budgets der Staaten ins Miese reißt sind zu einem guten Teil die immer teurer gewordenen Sozialsysteme, nicht so sehr die sonstigen Ausgaben. Um’s mal zu belegen: für 100 EUR netto mehr muß ein Single, selbst wenn er null Einkommensteuern zahlt, etwa 170 EUR mehr erwirtschaften (davon gehen dann Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Sozialabgaben weg). Hat der gleiche Mensch 170 EUR Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, kann er die komplett behalten. Bei Gutverdienern wird’s sogar noch bekloppter - da muß man mehr als das doppelte er“arbeiten”, während die Steuerbelastung auf die Immobilieneinnahmen weiterhin eher lächerlich ist.

Der Grenzgänger und das Faktorverfahren..

..oder: Neues aus der Anstalt.Das deutsche Steuerrecht ist ja bekanntlich um kaum eine Absurdität verlegen. So steigt der Einkommensteuersatz bei kleinen und mittleren Einkommen schneller an als bei größeren - auf eine vernünftige Begründung warte ich bis heute. Auch das Ehegattensplitting ist wahrlich eine fantastische Erfindung: Warum gleich noch mal bekommt ein Paar, bei dem beide 30 000 EUR im Jahr nach hause bringen keinerlei Entlastung sondern zahlt im Gegenteil nicht nur mehr Steuern sondern auch mehr Abgaben als ein Paar, bei dem einer gar nix verdient und der andere 60 000? Sehr logisch.

Unter dem Einfluss der gleichen Droge, unter der das Ehegattensplitting erdacht wurde hat man auch gleich die Lohnsteuerklassen III/V entwickelt: Im Prinzip überträgt man den vorteilhaften Effekt der Zusammenveranlagung voll auf den eh schon besser verdienenden Partner, und alle Nachteile landen bei dem der eh weniger verdient. Resultat: Wer eh schon viel hat bekommt noch mehr, wer eh schon wenig hat, noch weniger. Das war in den 1950ern meinetwegen zeitgemäß, aber heute irgendwie nicht mehr so ganz.

Das hat auch Onkel Gesetzgeber gemerkt und das sog. Faktorverfahren eingeführt. Im Wesentlichen wird dabei der Vorteil einer Zusammenveranlagung auf beide Steuer blechenden, arbeitenden Ehegatten verteilt, und zwar in etwa in dem Verhältnis, wie sie eben auch zur gesamten Steuerlast des Paares beitragen. Anders gesagt: Jeder von beiden zahlt weniger, als wenn er in Klasse IV (der Version von I, aber für Verheiratete) wäre. Im Prinzip eine gute Sache (denn beide haben was davon), auch wenn die Basis das m.E. weiterhin komplett absurde Ehegattensplitting ist - aber man nimmt ja was man kriegt.

Neueste Posse allerdings: Ich möchte nun gerne in die IV mit Faktor. Meine Frau und ich wohnen zusammen in DE, ich arbeite in DE, sie ist Angestellte in Frankreich und somit Grenzgängerin. Das Finanzamt hat uns (mir) den Eintrag von IV mit Faktor auf der Lohnsteuerkarte mit der Begründung verweigert, das ginge nur wenn beide “Inländischen Arbeitslohn” bezögen.

Wäre das so, wäre ich jetzt extrem sauer: Das ist eine klare Diskriminierung von EU-Ausländern und hat für uns zur Folge, daß wir beide dem Staat jedes Jahr mehrere Tausend EUR zinslos vorstrecken dürfen. Ich würde mir dann halt den Spaß machen, einen fetten Freibetrag auf meiner Lohnsteuerkarte eintragen zu lassen.

Ich habe aber vorsichtshalber mal ins Gesetzt geschaut, und glaube, daß die Herrschaften da einen Schnellschuß gelandet haben. Laut § 1 Absatz 1 EStG gilt nämllich:

Natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

Das dürfte also wohl auf uns beide zutreffen. Was die Lohnsteuerklassen angeht, so sagt das Gesetz, daß das Faktorverfahren auf Antrag anzuwenden ist, wenn beide Ehegatten in die Steuerklasse IV gehören (§ 39f EStG). Dies ist der Fall,...

wenn beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht dauernd getrennt leben und der Ehegatte des Arbeitnehmers ebenfalls Arbeitslohn bezieht (Zitat § 38b Satz 2 Nummer 4 EStG).

..und das trifft nunmal pfeilgrade auf uns zu, “ausländischer Arbeitslohn” hin oder her (den Begriff gibt’s bei den Einkunftsarten die im Gesetz aufgeführt werden übrigens gar nicht). Genau das habe ich den Damen und Herren jetzt geschrieben und erneut um Eintragung eines Faktors gebeten, sowie im Verweigerungsfalle um die Mitteilung der Rechtsgrundlage, warum das nicht gehen soll.

Stay tuned.

Update, 20.9.: Das FA hat die Eintragung erneut abgelehnt und das wie folgt begründet: Der Faktor berechnet sich nach einer im Gesetzt festgelegten Formel im Prinzip aus “Summe der zu erwartenden Lohnsteuer beider Ehegatten” geteilt durch “Zu erwartende Einkommensteuer des Paares bei Zusammenveranlagung”. Da meine Frau nicht dem Lohnsteuerabzugsverfahren unterliegt, hätten wir wohl verloren; indirekt hat man uns (Broschüre lag bei) noch nahe gelegt, doch die III/V-Kombi zu nehmen. Was aber neben den bereits genannten weitere Nachteile hätte: Meine Frau würde eine Menge an Ansprüchen beim Arbeitslosengeld verlieren (als in .de wohnende Grenzgängerin ist sie auch in .de Arbeitslosen-versichert), auch beim Elterngeld oder anderen Lohnersatzleistungen. Ergo: entweder (IV/IV) Staat viel Geld zinslos leihen PLUS ein niedrigeres Netto von mir und meiner Frau als bei der Wahl von IV mit Faktor in Kauf nehmen (mitsamt Folgen für die Lohnersatzleistungen), oder noch niedrigeres Netto meiner Frau erzeugen (III/V) und sich gewissermaßen “paarintern” Geld hin- und her schieben. Ich hab jetzt mal meinen Steuerberater gebeten, den Sachverhalt zu prüfen - Stay tuned II ;)

Update, 07.10.: Steuerberater hält das auch für ziemlich unsinnig und legt Einspruch ein. Hach ja.

Update, 11.11.: Das FA hat sich auf den exakten Wortlaut des Gesetzes berufen, und nach dem gibt es keinen Anspruch auf den Faktor, weil er, wenn präzise so berechnet wie im Gesetz geschildert bei uns eben größer als 1 wäre (da meine Frau ja keine Lohnsteuer zahlt). Damit hat sich der Einspruch erledigt. Wir haben daraufhin verlangt, daß man wenigstens die Vorauszahlungen meiner Frau für die ESt herabsetzt, und das ist zwischenzeitlich passiert. Will sagen: Wir haben jetzt, typisch deutsch, alle Vorteile auf einen und alle Nachteile auf den anderen verlagert - mit dem Unterschied zur III/V, daß wir alle Vorteile auf den mit dem geringeren Einkommen konzentriert haben. Das ist zwar immer noch Quark, aber deutlich gerechterer Quark und damit meinetwegen akzeptabel.