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Bahn und Säugling

Erste große Reise mit Säugling, per Zug. Mit einer Reihe von Erkenntnissen:

  1. Wenn man vorher reserviert, und am besten erste Klasse fährt, geht das ganz gut (Familienreservierung kostet 8 EUR, egal wieviele Plätze). Eine Babyschale braucht im Großraumwagen zwei Plätze nebeneinander (auf einen kann sich dann aber ein Erwachsener grade so noch komfortabel setzen), im Abteil drei (zwei Kind, einer Erwachsener).
  2. Das Zugpersonal ist in der Regel sehr hilfsbereit, wenn's um Kinderwagen etc. geht.
  3. Mit Säugling auf dem Arm durch einen fahrenden Zug zu laufen ist eine blöde Idee, aus vielen Gründen.
  4. Die Reaktionen der Mitfahrer sind meist eine der Folgenden
    1. Komplette Indifferenz (insb. bei den Businesskaspern in der 1.Klasse ICE)
    2. schmachtende Blicke (alle Altersgruppen, Geschlecht auch egal)
    3. Freude und Freundlichkeit (manchmal garniert mit eigenen Babygeschichten) (ebenfalls alle)
    4. in ca 10% der Fälle: Kritik (oh Gott, das arme Kind) (geäußert vornehmlich von Damen >= ca. 50 Jahre)

Mein persönliches Fazit, vorläufig: Wenn man sich Verbindungen unter möglichst großzügiger Vermeidung von Umsteigerei bucht, und ausreichend Platz ausreichend früh reserviert, ist das eine sehr angenehme und entspannende Art zu reisen. Wir haben's so von Kehl nach Duisburg, von Duisburg nach Hamburg, von Hamburg nach Cuxhaven sehr entspannt geschafft, trotz Gepäck für eine Woche, Kinderwagen etc.

Unschön wird's, wenn so wie auf der Rückfahrt geschehen, sich unvorhergesehenerweise alles ändert: Anstatt Cuxhaven-Hamburg (1h45), dann 1h10 Zeit in Hamburg (zum Mittagessen und Umsteigen), dann per ICE durchfahren und am Ende noch S-Bahn mit genügend Umsteigezeit hatten wir:

  1. Außerplanmäßig Schienenersatzverkehr mit einem Bus zwischen Cuxhaven und $Kaff. Natürlich kam der Bus, weil kurzfristiger Zugausfall wegen offenbar völlig überraschenden Bauarbeiten (ähem) deutlich zu spät, war hoffnungslos überfüllt, und leider auch ein Reisebus (d.h. kein Platz für Kinderwagen)
  2. 40 Minuten Verspätung in dem Zug ab $Kaff nach Hamburg. Und weg war sie, die Stunde die wir eigentlich zum entspannt Umsteigen und Mittagessen nehmen wollten
  3. Spontane Entscheidung des Personals, daß der Zug nicht wie geplant bis Hamburg fährt, sondern bereits in Hamburg-Harburg endet.
  4. Verspätung aller Züge, die wir zum rechtzeitigen Weiterfahren nach Hamburg Hbf (zu unserem ICE) gebraucht hätten.
  5. Daher sind wir in Harburg einfach in einen anderen ICE gestiegen, haben die 1:20h bis Hannover im Bordrestaurant gegessen, und sind dann in Hannover umgestiegen, wo aber natürlich
  6. die Türen unseres Waggons nicht gingen
  7. unsere Platzreservierung im Abteil anstatt wie von mir beim telefonischen reservieren erbeten im Großraum im Abteil war (d.h. ein Platz zu wenig - hat aber dank netter Mitfahrer kein Problem ergeben)
  8. die S-Bahn in Mannheim war dann natürlich knallevoll. Die Leute hätten gerne Platz gemacht, aber vor lauter Hunden, Koffern, Fahrrädern etc. war da wenig Marge. Nun, reingepaßt haben wir trotzdem - irgendwie.
Auch das geht, man kommt an, und am Ende waren wir nicht mal später in St Leon Rot als geplant. Aber halt mit vier mal sehr stressigem Umsteigen anstatt wie geplant zwei Mal entspannt. Was eigentlich eine sehr angenehme Fahrt hätte sein können ist dann doch recht nervenzehrend gewesen. Vermutlich aber auch nicht schlimmer als ein quengelndes Baby auf der Autobahn in einem Stau, der einen dann noch später ankommen läßt, mit übergelaufener Windel etc. pp.


Deutsche Logik

Die Deutsche Rentenversicherung Bund schenkt Eltern insgesamt drei (!) Beitragsjahre, während derer der Staat für einen Beiträge in die Rente einzahlt, als ob man erwerbstätig gewesen wäre und 2700 EUR (Durchschnittsgehalt der rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer). Arbeitet man parallel, zahlt der Staat trotzdem (z.B. wenn man brutto 1000 erarbeitet wird eingezahlt als ob man 3700 brutto verdient hätte) - bis zur Beitragsbemesungsgrenze natürlich.

Grundsätzlich eine gute Sache also. Natürlich gibt's ein ABER:

  1. Die Rentenversicherung schreibt gleich mal nur die Mutter an. Der Vater erfährt von seinem Glück nix, und auch nichts von seinem Anrecht auf dieses Staatsgeschenk
  2. Man kann diese Zeiten aufteilen, wenn das Kind von mehreren Leuten erzogen wird bzw. von anderen als z.B. der Mutter. ABER:

Das geht natürlich nur auf Antrag, in dem man für die drei Jahre jeweils monatsgenau angeben kann, wer das Kind hauptsächlich erzogen hat - selbst wenn man das in praxi gemeinsam und in gleichem Umfang tut. Als z.B. Januar: Vater, Februar: Mutter, März: Vater, etc. - das geht. Januar bis März: Beide (also so, wie's wirklich ist) - das geht nicht.

Warum denn einfach, wenn's auch kompliziert geht, denkt man(n) sich da. Zumal die gleiche verkorkste Logik auch beim Elterngeld greift, das Eltern ja eigentlich über das erste Lebensjahr des Kindes finanziell helfen soll, bis es in eine Kita gehen kann. Das geht aber auch da nur, wenn einer daheim bleibt (Mama) und es gibt noch ein Goodie (2 Extramonate) wenn der zweite (Papa) auch mal frei nimmt. Wehe, beide gehen in Teilzeit arbeiten und kümmern sich auch beide um das Kind - dann zählt jeder Monat doppelt (sind ja zwei Bezieher), und man kommt anstatt bis zum 14. Lebensmonat des Kindes (was komfortabel reicht, um es ab einem Jahr in eine Kita gehen zu lassen) nur bis zum siebten.

Merke: Das mit dem "gemeinsam und partnerschaftlich", das muß die Gesellschaft (bzw. Vater Staat) erst noch lernen. Vielleicht hat er's ja begriffen, bis unser Sohnemann selber mal Kinder hat.