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Prima Klima

Immer wieder gern genommen, die folgende Argumentation: Klar, daß die USA so viel CO2 in die Luft pusten, das ist eine Sauerei[tm]. Aaber wir Deutschen/Franzosen/..., wir tun ja sowieso schon soo viel für die Umwelt, da können wir alleine erstens gar nix ausrichten, und zweitens weigern sich ja auch so Dreckschleudern wie Indien und China, ihre Emissionen zu begrenzen.

Jüngstes Opfer dieser in verschiedenen Ausprägungen immer wieder durch die Hirne und Medien geisternden Denke ist (um den Sauerei[tm]-Teil bereinigt) unser aller Präsident, Herr Bush. Der meint, solange Indien und China sich auf keine Begrenzung verständigen, gibt es für die USA auch keine Veranlassung tätig zu werden, denn alleine könne er ja auch nix ausrichten.

Praktisch benutzt hat er dieses Feigenblatt, um das Kyoto-Protokoll nicht zu unterschreiben. Selbiges erlaubt nämlich Entwicklungs- und Schwellenländern, ohne Begrenzung zu emittieren. Bis 2012, dann läuft Kyoto aus und ein Folgeabkommen muß her.

Nun ist es aber zum einen schlicht falsch, China und Indien in einem Atemzug mit den USA zu nennen. Der Pro-Kopf-Ausstoß von CO2 ist in den USA nämlich mit fast 20 Tonnen wirklich rekordverdächtig. In Deutschland liegt er übrigens bei gut 10 Tonnen (Quelle: Greenpeace, Stand 2004). China hat einen Wert von 3,6t und Indien gut 1t. Die Länder sind sehr bevölkerungsreich, so daß in absoluten Zahlen die Emissionen natürlich hoch sind. Aber immer noch nicht so hoch wie die der USA (5800 Mio t versus 4700 Mio t (China) und 1100 Mio t (Indien)).

Der wirklich eintscheidene Punkt, der sehr gerne übersehen wird, ist aber: Für den antropogenen Treibhauseffekt von CO2 ist nicht der jährliche Ausstoß entscheidend, sondern die Konzentration in der Atmosphäre. Nachdem CO2 eine Verweildauer von etwa 100 bis 120 Jahren hat, müßte man sich das Stand heute in der Luft vorhandene CO2 nach Ländern sortiert ansehen. Und bis da chinesisches oder indisches CO2 mengenmäßig das europäische oder US-Amerikanische auch nur eingeholt hat, dürften noch Jahrzehnte vergehen. Und genau deswegen sind die Industriestaaten wesentlich stärker in der Pflicht als aufstrebende Schwellenländer, die genau wie wir auch ein Recht auf Entwicklung haben. Die Verankerung dieses Rechts ist übrigens auch der Grund, warum Kyoto Schwellen- und Entwicklungsländern keine Vorschriften macht.

Sehr wohl können übrigens Industriestaaten zur CO2-Reduktion in Entwicklungsländern beitragen, nämlich mittels des in Kyoto verankerten CDM-Mechanismus. Der erlaubt es, emissionsreduzierende Investitionen in Entwicklungsländern zu finanzieren und dafür Emissionsrechts-Zertifikate zu erhalten.

Zu guter letzt noch ein weiteres Detail, das mir weitgehend unbekannt zu sein scheint: Der größte Klimasünder auf dem Planeten ist nicht etwa die gerne und viel gescholtene USA. Es gibt nämlich außer CO2 auch noch eine ganze Reihe weiterer Treibhausgase, die z.T. deutlich klimawirksamer sind. Rechnet man diese mit ein, dann liegen die Australier mit 26,9 t/Kopf in CO2-Äquivalenten noch vor Kanada (24,1 t), und dann kommen die USA auf Platz drei mit 23,55 t.

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