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Da Friggit' tunnel, man

Es ist ja derzeit üblich, sich in immer neuen Horrorszenarien für den Euro und die Eurozone zu ergehen. Derzeit funktioniert diese großartige Rettungsschrim-Aktion ja hauptsächlich deswegen, weil einerseits eher kleine Länder betroffen sind und andererseits es genug größere gibt, die deutlich besser darstehen. Allen voran Deutschland.

Schwergewicht bei Bonität und Wirtschaftskraft ist aber auch unser Nachbar links des Rheins - Frankreich. Und da sieht es perspektivisch etwas düsterer aus: Hohe Unternehmens- und Individualsteuern (deutlich billiger ist in .fr lediglich die Einkommensteuer), hohe Sozialabgaben, sehr rigider Arbeitsmarkt, zwischen neun und zehn Prozent Arbeitslosigkeit mit kontinuierlich steigender Langzeitarbeitslosenquote, 25% Jugendarbeitslosigkeit.

Die Hälfte der Staatsausgaben bestreitet Frankreich derzeit durch die Aufnahme von Krediten, das strukturelle Defizit liegt zwischen sieben und acht Prozent des BIP. Positiv fällt allerdings eine relativ hohe Sparquote der Franzosen ins Gewicht, so daß sich das Land nur zu kleineren Teilen an den internationalen Märkten Geld leihen muß (siehe Japan: Das kann dank hohen Sparguthaben im Inland einen gigantischen Schuldenberg relativ risikoarm schultern).

Die französische Konjunktur schwächelt, die Hilfsprogramme incl. der frz. Abwrackprämie (Prime a la Casse) laufen aus. Da braucht es nicht viel, und das Land ist wieder in der Rezession, und sieht sich damit noch weiter steigenden Defiziten ausgesetzt. Da stimmt es bedenklich, daß der Französische Immobilienmarkt etwas tut, was er seit Jahrzehnten immer nur getan hat, wenn er danach einen Crash hinlegte:

Empirisch und auch logisch belegt ist, daß die Preise sich nie dauerhaft von den Realeinkommen entkoppeln konnten. Die Preise bewegten sich immer in einer etwa 10% großen Schwankungszone um die Gehälter, den so genannten Friggit-Tunnel. Das ist so seit über 37 Jahren, und hat sich erst seit 2002 geändert.

Derzeit liegen die Preise bei etwa 150 bis 170 Prozent der indexierten Reallöhne, also deutlich außerhalb des Tunnels, wobei sie vor zwei Jahren nochmal 10 bis 20 Prozent höher waren. Es hilft dem Preisniveau sicher, daß der Staat den Erwerb von Wohn- und Wohnungseigentum derzeit erheblichst fördert, auch wenn er diese Förderungen (Loi Robien, Loi Scellier, Credit d’Impot) gerade erheblich zurückfährt. Auch die extrem niedrigen Zinsen und das Vorhandensein (global gesehen) von viel risikoscheuem Kapital, das Anlagen sucht, mag diese Hausse insbesondere natürlich in Paris (im Mittel inzwischen über 7000 EUR pro qm!) erklären.

Nachhaltig ist das alles aber nicht. Die Zinsen gehen irgendwann wieder hoch, die Gehälter halten mit den Preisen einfach nicht Schritt, und irgendwann geht auch der staatlichen Förderung die Puste aus. Dann haben viele Banken plötzlich Kredite in den Bilanzen, die nicht mehr durch entsprechende Sicherheiten gedeckt sind. In Normalen Zeiten[tm] kein Problem, aber im Moment, wo Kapital a) beliebig mobil und b) beliebig nervös ist, könnte das schon anders aussehen.

Et voila. Hoffen wir das beste, lieber Leser. Wäre ich allerdings Spekulant, wüßte ich, worauf ich wetten würde.

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