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Wenn Griechen hinter Griechen kriechen...

..na dann - mal ein paar Gedanken, nur grob sortiert, zu dieser ganzen Schuldenmisere allgemein und speziell in Griechenland:

Zum einen hört man nunmehr, daß die ganzen Sparorgien und Privatisierungsvorhaben, die die Troika dem Land aufgenötigt haben, nicht schnell genug voran gehen und offenbar auch nicht den gewünschten Effekt - weniger neue Schulden, Haushaltskonsolidierung - haben. Ich persönlich finde, das war wahrlich nicht schwer vorherzusehen: Durch rigoroses Sparen wird keine Volkswirtschaft kurzfristig wieder gesund. Daß den hochbezahlten Ökonominnen und Ökonomen auch nach Gott weiß wie vielen Schuldenkrisen in anderen Teilen der Welt immer noch nichts Clevereres eingefallen ist, ist ein absolutes Armutszeugnis für die Wissenschaft “Volkswirtschaftslehre”. Es läßt für mich auch den Schluß zu, daß man den Prognosen und Heilslehren der vermeintlichen Wirtschaftsgelehrten mit einer gehörigen Portion Mißtrauen begegnen muß. Ganz offensichtlich haben die zwar schönere Worte, um bestimmte Sachverhalte zu beschreiben, aber selber wenig Handwerkszeug, um solche Situationen in Ordnung zu bringen. Was sie aber gut durch überzeugtes Auftreten auszugleichen verstehen, keine Frage.

Zweitens verstehe ich nicht, warum man nicht wenigstens den Versuch gemacht hat, auch die Leute in Griechenland an der Rettung zu beteiligen, die jahre- und jahrzehntelang davon profitiert haben. Warum kreiert die sonst so findige Finanzbranche nicht einen neuen Typus Wertpapier für Griechenland, der im Wesentlichen so funktioniert: Jeder, der eine Sache (z.B. Immobilien, Swimmingpools, Autos) in irgendeiner Form vor dem Fiskus verheimlicht hat, muß nicht “nur” nachversteuern, sondern muß diese Sache auch für eine Zeit X (z.B 10 Jahre) dem Staat als Sicherheit zur Verfügung stellen. Somit stünde neu ausgegebenen Griechischen Staatsanleihen zumindest etwas Sicherheit zur Verfügung.

Mir ist klar, daß das nicht alleine den Karren aus dem Dreck ziehen würde, und daß die Idee durchaus noch einiges an Feinschliff bedürfte um zu funktionieren. Es hätte aber mindestens mal psychologisch einen sehr besänftigenden Effekt auf all die arbeitslosen Jugendlichen, auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, und auf die Unternehmen, die unter den Kürzungsorgien im Staatswesen übelst leiden und den berechtigten Eindruck haben, sie zahlen nachträglich eine Rechnung für ein Gelage, an dem sie nicht mal teilgenommen haben. Außerdem wäre es endlich mal eine vernünftige Anwendung der von der Finanzbranche in der Vergangenheit ja weit entwickelten Technik, Papiere mit diversen und teilweise auch dubiosen Sicherheiten zu bündeln.

Des Weiteren sollte man sich m.E. gerade als Deutscher mal vor Augen halten: Daß die Zinssätze in Euroland sehr nahe beieinander lagen und somit für Länder wie Griechenland oder Italien die Schulden so billig wurden, daß man dankbar neue gemacht hat - das liegt nicht daran, daß die Politiker in den Süd-Ländern etwas falsch gemacht hätten. Sondern: die Märkte haben von Anfang an eingepreist, daß im Fall der Fälle das passieren würde was jetzt geschieht - Euroland wird zur Solidargemeinschaft, auch wenn das bis vor kurzem noch auf keinem Papier stand. Anders gesagt, können sich die ach so allwissenden Märkte auch mal irren (denn Griechenland wird um einen Schuldenschnitt nicht herumkommen), und korrigieren sich dann so wie jetzt, wie Märkte halt so sind, hysterisch und sehr sehr schnell, gerne auch mal überreagierend (40 Prozent Rendite für griechische Staatsanleihen!?). Quintessenz: Eine irrational heftige Korrektur kann auch in und mit .de schnell passieren - wir zahlen derzeit für unsere Schulden derart lächerliche Zinsen, daß man sich ins Gedächtnis rufen sollte, daß diese mit Sicherheit nicht so bleiben werden (zehnjährige Staatsanleihen werfen derzeit grade mal zwei Prozent Rendite ab).

Noch ein Punkt, den ich beim besten Willen nicht verstehe: Warum ist es so schwer, zeitlich begrenzte und klar zweckgebundene Sondersteuern einzuführen, um das Budget auszubalancieren? Und, wichtiger, warum zum Henker bedient man sich nicht, gerade in .de, da wo wirklich viel da ist. Ich begreife nicht warum wir uns so schwer damit tun, auch Einkünfte z.B. aus Kapital oder Vermietung mit einer meinetwegen kleinen Sozialabgabe zu belegen. In Frankreich gibt’s das beispielsweise schon (CSG) - warum nochmal ganz genau soll die passive Einnahmequelle “Kapital” derart begünstigt werden gegenüber menschlicher Arbeit? Denn, nota bene, das was die Budgets der Staaten ins Miese reißt sind zu einem guten Teil die immer teurer gewordenen Sozialsysteme, nicht so sehr die sonstigen Ausgaben. Um’s mal zu belegen: für 100 EUR netto mehr muß ein Single, selbst wenn er null Einkommensteuern zahlt, etwa 170 EUR mehr erwirtschaften (davon gehen dann Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Sozialabgaben weg). Hat der gleiche Mensch 170 EUR Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, kann er die komplett behalten. Bei Gutverdienern wird’s sogar noch bekloppter - da muß man mehr als das doppelte er“arbeiten”, während die Steuerbelastung auf die Immobilieneinnahmen weiterhin eher lächerlich ist.

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Stephane am :

Tolles Artikel, David! Allerdings ist die Griechenhilfe nicht von Ökonomen abgestimmt, sondern von Politikern. Mehrere Ökonomen haben gewarnt, dass es gefährlich wird - aber Deutschland und Frankreich wollten für Inlands-politische Zwecken nur Sparen einordnen. Und Deutsche Politiker denken, dass Griechenland einfach mehr Ingenieure ausbilden sollte! ;) Nee, jetzt bleibe ich ernst... Mit 40% sind die Anleihen nicht überteuer. Die sind jetzt bei 50%, was zum Beispiel bedeutet, dass Investoren glauben, es gibt 40% Chancen, dass Griechenland dieses Jahr pleite geht, und behalten sich 10% drauf falls es doch gut geht. Ich finde das fast unterbewertet - es sieht jetzt nämlich gar nicht gut aus. Klar, private in Griechenland sollten beteiligt werden! Aber dieses Land hat es einfach 10 Jahre lang nicht geschafft, vernünftige Regeln zu implementieren, wie soll es sich jetzt ändern? Nicht nur die Märkte waren falsch. Griechenland hätte nicht in die Euro aufgenommen werden sollen, die EU sollte in die Staatsfinanzen genau prüfen können (Frankreich u. Deutschland haben das abgelehnt vor der Euro Einführung), usw. Jetzt muss alles korrigiert werden. Vielleicht muss Griechenland raus aus der Eurozone - aber hoffentlich so wenige Länder wie möglich dazu. Was dein Kommentar über Steuer betrifft - worüber ich total einverstanden bin - man will nicht die Soziale Mobilität zu effizient machen anscheinend. Sonst wären solche Unsinne seit lange vom Wähler gelöscht.

Aron am :

Ich teile deine Meinung - auch dass, Griechenland der Schuldenschnitt nicht erspart bleiben wird. Die Antwort auf deine Frage, warum man die Reichen nicht beteiligt oder warum Einkünfte aus Arbeit mehr besteuert werden als Einkünfte aus Besitz ist schlichtweg: Weil die Klasse an der Macht ist, die viel besitzt. Das gilt sowohl für Grienchenland als auch für Deutschland. Oder kennst du einen Politiker, der vorher im Mindestlohnbereich verdient hat, bevor er in die Politik ging??? Maximal findet sich da Mittelstand. Die machen keine Gesetzte “gegen” sich selber....

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