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Neugeborene Hämmorrhoiden

Die Geburtshilfestationen in Kehl und in Oberkirch sollen dichtgemacht und in Achern zentralisiert werden. Darüber berichtet ausführlich die Kehler Zeitung, hier und hier. Und hier.

Ich habe mich zu einem Leserbrief bewegt gefühlt, den ich mir ebenfalls erlaube, hier zu bloggen.


Als in Kehl wohnender gebürtiger Münchner und werdender Vater erfüllt mich die Debatte um die Schließung der Kehler Geburtshilfestation mit mittelgroßem Entsetzen: Ich wünsche mir bei aller Liebe zur Budgetdisziplin, daß man dennoch erkennt, daß es staatliche Aufgaben gibt, die eben zumindest in kurzer und mittlerer Frist defizitär sind, und das dies eben nicht heißt, daß man diese einstellen muss. Die Zurverfügungstellung einer ortsnahen Geburtshilfestation gehört definitiv dazu. Daß neue proktologische Behandlungsangebote am Klinikum mehr Geld in die Kasse spülen mag sein, aber die Freude darüber mag bei mir so recht nicht aufkommen. Ich habe hier wie so oft das Gefühl man denkt in unserem Land etwas zu häufig und intensiv an Ältere, und vergißt darüber regelmäßig, daß man allen Generationen gerecht werden muß.

Traurig auch die Unkenntnis des sonst doch in Europafragen recht fitten Kehler OBs: Selbstverständlich hat auch ein in Kehl geborenes Kind eines französischen Elternteils automatisch die französische Staatsbürgerschaft - ein einfacher Blick auf die Website von infobest.eu hätte genügt. So ist es übrigens auch bei unserem Kind, mit einem deutschen Vater und einer französischen Mutter, das in Kehl als vielleicht einer der letzten gebürtigen Kehler diesen Sommer auf die Welt kommen wird.

Die Kehler Klinik liegt näher an den allermeisten der gerade in Straßburg neu entstehenden 18 000 Wohneinheiten als die dortigen Kliniken, und eine Steigerung der Geburtenzahl in Kehl ist daher definitiv zu erwarten. DAs Interesse aus Frankreich darf man nicht an der Zahl der in Kehl entbindenden Französinnen messen - auf den Infoabenden der Kehler Hebammen finden sich regelmäßig deutsche Frauen mit französischen Partnern, die in Straßburg wohnen aber in ihrem Heimatland entbinden möchten. Zudem darf man nicht vergessen: Es werden in den neuen Straßburger Vierteln mehr Menschen wohnen, als derzeit in der gesamten Kehler Kernstadt.

Sollte sich die Kehler Station trotz aller Proteste nicht halten lassen, so sollte man dringend prüfen, ob man nicht das Personal in einer bestehenden, grenznahen Straßburger Klinik besser unterbringen kann (und auch den erlernten Hebammenberuf weiter ausüben lassen könnte), anstatt die werdenden Eltern über die B28 zu scheuchen und die Kehler Fachkräfte als Hilfspersonal über die Ortenau zu verteilen. Eine grenzüberschreitende Kooperation der Rettungsdienste ist dafür auch erforderlich, damit einen in Kehl im Zweifel auch ein deutscher Kankenwagen in die nahe Straßburger Geburtshilfe bringen kann. Nota bene: nicht jeder hat ein Auto - ich selbst besitze z.B. keines.

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