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Deja vu

Vor einer Weile hatte ich ja schon mal einen mittleren Frustanfall, siehe “Liebe Eltern,... Angesichts des ”Rentenpakets" der Großen Koalition und des unlängst ergangenen Urteils des BGH zum Elternunterhalt ist es mal wieder soweit. Zur Erinnerung, der BGH hat entschieden, daß ein Sohn auch dann für die Pflege seines Vaters finanziell einstehen muß, wenn dieser ihn ab dem 18. Geburtstag verstoßen und enterbt hat und kein Kontakt mehr bestand, für über 40 Jahre nicht. Grund - bis zum 18. habe der Vater ja brav seinen Elternpflichten genügt, und danach war der Sohn ja erwachsen und das was der Vater tat, wenn auch nicht nett so doch sein gutes Recht.

Aha. Ich darf also zusammenfassen: Wir Kinder der vielzitierten “Geburtenstarken Jahrgänge”, d.h. derer die jetzt so zwischen 50 und 65 sind, sollen also:

  1. die von unserer Elterngeneration aufgebaute massive Staatsverschuldung abtragen, inklusive Zinsen natürlich
  2. Leistungen der Sozialsysteme finanzieren, die wir nie bekommen werden, darunter
    1. die Absicherung der Berufsunfähigkeit,
    2. Rente mit 65,
    3. ein Rentenniveau von dem man zumindest hoffen kann, leben zu können,
    4. eine Berücksichtigung von Studien- und Ausbildungszeiten als Beitragsjahre, 
    5. weitestgehende Steuerfreiheit der gesetzlichen Rente
    6. eine Arbeitslosigkeits- und Grundsicherung, die nicht von einem erwartet, sauer erarbeitetes Vermögen aufzubrauchen bevor der Staat “hilft”, und die nicht erwartet, jeden beliebigen Drecksjob (vgl. prekarisierter Arbeitsmarkt) anzunehmen
    7. und natürlich die insgesamt durchaus auskömmlichen Beamtenpensionen, für die die Generationen vor uns keinen müden Cent an Rücklage gebildet haben
  3. privat zusätzlich fürs Alter vorsorgen - während unsere Beiträge für andere Menschen das Privileg finanzieren, genau das nicht getan haben zu müssen, und wir das bei Anlagezinsen um die Inflationsrate tun sollen, während unsere Eltern ihre vier-fünf Prozent selbst mit Bundesanleihen sicher hatten
  4. privat zusätzlich für den Pflegefall vorsorgen, aber zudem noch
  5. die Pflege unserer Eltern stemmen, persönlich und finanziell, dank Elternunterhalt und BGH auch bis einschließlich Rückgriff aufs eigene Vermögen
  6. mehr Kinder kriegen und großziehen als unsere Eltern, die mit ihrer ganz persönlichen “Ein-Kind-Politik” die Misere ja nicht ganz unerheblich mit verursacht haben
  7. das alles natürlich partnerschaftlich mit zwei berufstätigen Eltern, in einem Arbeitsmarkt der sich zwischenzeitlich erheblich prekarisiert hat, und mit Gehältern, die für vergleichbare Tätigkeiten sehr oft eine deutlich bessere Ausbildung voraussetzen (deren Erwerb aber natürlich ehrenamtlich zu erfolgen hat) bei gleichzeitig (in Kaufkraft gemessen) substanziell schlechterer Bezahlung

Danke. Vielen Dank.

Und weil das noch nicht reicht, wird die ganze Herrlichkeit fast vollständig durch Abgaben und Steuern auf Arbeitseinkommen finanziert. Fein raus ist also, wer Kind von eh schon betuchten und vor allem: gesunden Eltern ist, die obendrein noch einigermaßen mit Geld umgehen können - der erbt (abgabenfrei und weitgehend steuerfrei, wegen sehr großzügigen Freibeträgen und Steuerbefreiungen) und zahlt auf seine Kapitaleinkünfte null Sozialabgaben und dank Abgeltungssteuer und Abschreibungen stark moderierte Steuersätze.

Blöd halt, wenn man auf eigene Arbeit als Einkommensquelle angewiesen ist, dann muß man z.B. so ‘ne runde Million erwirtschaften, um dann nach Steuern und Abgaben ca. die 500k beisammen zu haben, die ein erbendes Kind steuerfrei erhält (wenn selbstgenutzte Immobilien im Spiel sind, auch ohne weiteres noch deutlich mehr). Oh, und wenn die Eltern lange pflegebedürftig sind, dann ist’s natürlich noch blöder - dann haben irgendwann die Eltern kein Vermögen mehr, aber der Staat bedient sich munter bei den Kindern, auf daß die auch nie auf einen allzu grünen Zweig kommen. Damit sich das Spiel dann bei deren Kindern wiederholen kann.

Wohlgemerkt, auch für unsere Elterngeneration ist nicht alles rosarot, und für alle noch etwas älteren Leute, die noch den Krieg miterlebt haben, liegen die Dinge m.E. schon alleine deswegen anders. Darum geht’s mir nicht. Ich finde es aber absurd, was man uns als Generation zumutet: Mal abgesehen von der Unverfrorenheit mit der das geschieht, kann das doch bei nüchterner Betrachtungsweise gar nicht funktionieren. Und spätestens hier sollten auch die, die auf der “Empfängerseite” sitzen, hellhörig werden.



HaSSDe nicht gesehen - SSD unter Ubuntu 13.10 mit Verschlüsselung

Seit wenigen Tagen bin ich auch stolzer Eigner eines dieser neuen Wunderdinger namens SSD, namentlich eines 840 EVO von Samsung mit 500 GB Kapazität. Zum einen, weil mit bei meinem im Laufe des Jahres angeschafften T530 von Lenovo die HDD ohne großes Nachdenken als Flaschenhals in der Performance ein absolut sicherer Kandidat war (der Laptop hat 16 GB RAM und einen i7), zum Anderen weil SSDs ja inzwischen wirklich relativ erschwinglich sind. Relativ. Die Wahl des konkreten Modells habe ich auf Empfehlung meines Haus&Hof-Dealers, der Firma notebooksbilliger.de getroffen.

Durch einen glücklichen Zufall ist die SSD auf das Byte genau so groß gewesen wie meine alte Platte (Hitachi), d.h. ich habe einfach mit einer DVD ein Ubuntu-Testsystem gebootet, meine SSD in ein externes, per USB angeschlossenes Gehäuse gesteckt, und dann mit ddrescue die komplette Platte incl MBR, Partitionstabelle etc kopiert (ddrescue --force -vv /dev/sda /dev/sdb). Der Kopiervorgang des halben Terabytes klappte ohne irgendwelche Probleme, erlaubte mir aber aufgrund seiner Dauer so einige Erkenntnisse:

  • den ersten Versuch habe ich schnell wieder abgebrochen und gerechnet: Mit USB 2.0 hätte der Kopiervorgang über vier Stunden gedauert
  • ein externes Gehäuse mit USB 3.0 reicher (und 13 EUR ärmer) dann der Zweitversuch: Flaschenhals ist dann nicht mehr der USB, sondern die Lesedatenrate der HDD. Die beginnt so in der Gegend von 100 MB/s und sinkt dann, je weiter der Schreib/Lesekopf sukzessive in Richtung Achse kommt, auf um die 60 MB/s
  • das Ganze dauert dann also doch noch gute 90 Minuten

Danach einfach SSD anstelle der HDD eingebaut, hochgefahren, fertig. Ein Unterschied wie Tag und Nacht, der Bootvorgang dauert wesentlich kürzer, der Login geht drastisch schneller, Applikationen starten weit schneller, und auch DB-Operationen die vorher mehrere Sekunden gebraucht haben, sind circa um den Faktor drei bis fünf fixer. Das alles mit aktivierter Vollverschlüsselung (OS-seitig, Ubuntu 13.10 64bit) der Platte natürlich. Fein! Die Parameter noatime & discard habe ich in /etc/fstab dann der physischen Partition noch spendiert. Mit ext4 war schon ein Dateisystem per Default verwendet worden, das wohl recht SSD-freundlich ist - kein Handlungsbedarf hier also. Schön.

Weniger super fand ich allerdings, daß ich hinterher herausfinden durfte, daß Samsung in den EVO-Modellen wohl eine Sorte Speicher verbaut, die nicht übermäßig lange halten wird. Sprach die allwissende Wikipedia:

Andere Hersteller wiederum, wie z. B. Samsung in der neuesten 840-SSD-Serie, setzen seit neustem auch auf TLC-NAND-Speicherzellen. TLC (engl. triple-level cell, dt. dreistufige Speicherzellen) hat im Vergleich zu SLC (engl. single-level cell) weitere Spannungslevel, sodass noch mehr Daten pro Speicherzelle gespeichert werden können. Aufgrund der kleineren Abstände zwischen diesen Stufen und der daraus resultierenden Schwierigkeit, diese Level stets korrekt auszulesen, ist die Lebensdauer von TLC-Speicherzellen noch mal geringer als von MLC-Speicherzellen mit gleicher Fertigung und Güte.

Hm. Samsung gibt eine dreijährige sog. “eingeschränkte Garantie”, die in diesem Punkt im Wesentlichen sagt, daß alles reibungslos funktionieren wird, wenn man die Platte bestimmungsgemäß verwendet und eine bestimmte Gesamtmenge an geschriebenen Daten nicht überschreitet. Die liest eines der mitgelieferten Tools (“Magician” oder so) per SMART aus, aber das nutzt mir nix, weil der Wert z.B. pro Tag, der im Mittel erlaubt ist, nirgends steht (außer im Code dieser Software) und es sich natürlich um ein Windows-Tool handelt. Die Rohdaten kriege ich natürlich auch per Linux, aber das reicht mir nicht, es geht ja um die Interpretation.

Google behauptet was von 40 GB/Tag, ist aber nicht klar ob sich das auf die Pro-Serie bezieht. Falls das der Wert ist, bin ich mit Sicherheit Lichtjahre davon entfernt (ich mache ja keinen Videoschnitt oder so). Trotzdem habe ich mich mental mal darauf eingerichtet, in drei Jahren eine dann aktuelle SSD zu besorgen. Und werde jetzt mal an Samsung schreiben, wie hoch der Wert ist (es wär ja super gewesen, den in der Garantieerklärung auch abzudrucken..).

Einstweilen freue ich mich jedenfalls an dem reibungslosen Umzug, der wirklich beeindruckenden Geschwindigkeit, und dem nicht mehr vorhandenen Geräuschpegel - da auch der Lüfter meines Laptops kaum je groß was tut, ist es wirklich sehr still im Büro :) Sehr eigenartig ist allerdings, daß der Stromverbrauch offenbar eher zugenommen hat, jedenfalls ist der Akku tendenziell fixer leer als vorher, was mich schon sehr wundert. Na, vielleicht finde ich das auch noch raus.



Europa

Spätsommer 2013: In den Dünen Flanderns, irgendwo zwischen Frankreich und Belgien, rutscht unser deutsch-französischer Sohnemann mit Begeisterung die Sandverwehungen hinter einem Weltkriegsbunker runter. Paar hundert Meter weiter, bei Ebbe sicht- und begehbar, liegen die Wracks dreier englischer Schiffe im Sand, Überbleibsel der Operation Dynamo. Etwas weiter gewandert trinken wir im flämischen Teil Belgiens (De Panne) eine heiße Schokolade und unterhalten uns auf französisch mit dem Patron. Und Sohnemann rundet das ab, indem er am Ende der Bedienung winkt und auf Deutsch “Tschüss” sagt.

Wenn es Europa nicht gäbe, man müßte es erfinden!

Danke Danke

Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Horden besoffener, grölender Fußballaffen, die den S-Bahnsteig des Stuttgarter Hbf gestern verqualmten, und dann als meine S-Bahn eh schon verspätet einfuhr trotz Polizeipräsenz niemanden aus der Bahn aussteigen ließen, sondern mit voller Kraft zu hunderten in die Wagen drängten.

Des weiteren vielen Dank an den älteren Herrn, der sein Fahrrad bereits seit vermutlich Herrenberg so geschickt vor der Tür zu meinem Abteil in der S-Bahn platziert hatte, daß dank ihm und den Fußballdeppen niemand mehr da raus kam, und die hochschwangere Frau, die die Spacken beinahe plattgedrängelt hätten, sich nur durch akrobatische Akte über das Rad hinweg so grade in das schützende Abteil retten konnte.

Glückwunsch. Ich, wie ganz viele andere auch, haben dadurch ihre Anschlüsse verpaßt, so manche(r) bekam noch ein paar Panikattecken gratis dazu. In Bad Cannstatt wahrt ihr dann mehrheitlich sogar zu blöd zu rallen, daß ihr jetzt aussteigen müßt. Nun, die Schwangere, ich, und ein paar andere haben’s da dann gottseidank raus geschafft.

Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auch die Deutsche Bahn, die mir direkt im Anschluß dann 50 Minuten in einem brüllend heißen, unklimatisierten Zug ohne Bordbistro angedeihen ließ, und die kleinen aber feinen Verspätungen, dank derer man körperlich beim Bahnfahren halt doch fit bleibt (Gleis 1 nach Gleis 7 in 3 Minuten, mit Gepäck und so). Danke Euch allen, was hätte ich nur ohne Euch mit meinem Nachmittag gemacht!

Eltern/Zeit, Eltern/Geld, Kinder/Geld

Nach mittlerweile einem guten Jahr als Eltern in Deutschland dürfen wir, bzw. darf ich als Papa mal ein wenig diese Zeit Revue passieren lassen. Es gab und gibt da doch so einige Dinge, die mir oder uns sehr merkwürdig vorkommen, ja teilweise doch arg sauer aufstoßen. Meistens teilen sich diese in einen allgemeinen Teil (politisch, finanziell, gesellschaftlich) und einen persönlichen. Bei Ersterem bemühe ich mich um Sachlichkeit, bei letzterem explizit nicht. Wem das nicht schmeckt, der muß es ja nicht essen. Also:

Elterngeld bzw. Elternzeit

Das Elterngeld wird einem regelmäßig als Wundermittel zur Partizipation von Vätern an der Babybetreuung und, weil ja an die Höhe des letzten Erwerbseinkommens gekoppelt, zur Förderung weiblicher Erwerbstätigkeit gepriesen. Es mag gerne sein, daß es ein Riesenfortschritt gegenüber dem war, was vorher existierte. De facto ist es aber nach wie vor so gebaut, daß einer (99% die Frau) 12 Monate daheim bleiben soll, und der Mann halt auch mal zwei Monate darf. Oder meinetwegen auch: “soll”.

Will man sich die Betreuung wirklich paritätisch als Eltern teilen und nimmt beide gleichzeitig Elternzeit&geld, kommt man maximal bis zum Ende des siebten Lebensmonats des Kindes - und dann? der Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz gilt erst ab 1 Jahr, und auch den kriegen die Städte ja nicht erfüllt. Und wenn man eben nicht komplett seine Erwerbstätigkeit unterbricht, sondern nach der Geburt in Teilzeit weiterarbeitet, ist man gleich doppelt gekniffen: Man hat nicht nur ordentlich Streß im Alltag, sondern neben den Einkommensverlusten auch noch exorbitante Kosten für die Kinderbetreuung. Und ist nach sieben Monaten eben auch wieder am Ende.

Fazit: Am besten fährt man, wenn wie gehabt die Frau gar nicht arbeitet, und der Mann halt auch mal zwei Monate daheim ist (und da was auch immer tut). Teilt man sich Kinderbetreuung und Erwerbsarbeit von Anfang an paritätisch, bekommt man eine eher symbolische Hilfe, die gerade bei den so genannten Besserverdienenden den Gehaltsverlust nicht auch nur annähernd ausgleicht, plus eine Menge Streß im Alltag, und erhebliche Kosten. Es gibt keinen irgendwie gearteten Anreiz durch das Elterngeld in der derzeitigen Ausgestaltung, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung von Anfang an unter den Eltern gleich aufzuteilen, und die finanziellen Möglichkeiten auf einen guten Teil ihres Gehalts zu verzichten plus hunderte von Euro pro Monat für eine Tagespflege zu bezahlen, dürfte in der Praxis kaum jemand haben.

Wir haben’s trotzdem gemacht, und stellenweise halt unseren Lebensunterhalt aus Erspartem bestritten. Ich würd’s auch jederzeit wieder so machen - zwei “Vätermonate” sind, mit Verlaub, ein Witz. Ein Kind hat zwei Eltern, von Anfang an. Jeden Monat. 

Krabbelgruppen und -veranstaltungen

...sind in Deutschland fast immer irgendwann tagsüber unter der Woche. Da kann kein Berufstätiger mithalten, und das trifft in der Praxis weit überwiegend die Väter. Für mich ist das Sexismus, genau wie Titel wie “Mutter-Kind-Gruppe” für Krabbelgruppen, wo man dann auf Nachfrage hören darf, daß man als Mann ja im Prinzip auch kommen dürfte.

Verdammt - was ist so schwer daran, wenigstens einen Termin für Sport, Musik, Schwimmen mit Kindern am Wochenende anzubieten!? Die anderen sieben Termine für die jeweiligen Angebote dürfen meinetwegen gerne weiterhin Mo-Fr 9-17h irgendwann liegen.

Die Babygruppe hieß hier immerhin “Babycafe”, nicht “Stilltreff” oder “Mutter-Kind-Treff” oder irgend ein anderer Titel aus den 50ern, für Neugeborene & bis 1-Jährige. In den ganzen Monaten habe ich da genau ein mal einen anderen Vater getroffen. Die Gruppe war immer Montag vormittags.

Kommentare

Mein Repertoire an gutgemeinten Ratschlägen und blöden Kommentaren, auf die ich gut verzichten kann, ist seit der Geburt unseres Sohnes explosionsartig gewachsen.  Das reicht von Zeitungskommentaren wie den unlängst von Norbert Blüm in der FAS, der der Meinung war, Väter könnten sich eben nicht um kleine Kinder kümmern (und der Untergang des Abendlandes drohe, weil Mütter jetzt schon arbeiten gehen, bevor ihre Kinder in der Pubertät oder darüber hinaus sind). Damit hat er sicher nicht mich oder uns persönlich gemeint, aber solches Zeug hört man in der einen oder anderen Darreichungsform regelmäßig.

Genau wie die verdrehten Augen, das “Oh Gott das arme Kind”, das “Ihr wißt ja gar nicht was Ihr dem Kind antut” etc. pp., wenn bemerkt wird, daß wir beide vier Tage pro Woche oder gar Vollzeit arbeiten, oder wenn man einen Säugling mal nicht nur im tüllverzierten Himmelbett im elterlichen Schlafzimmer einhegt, sondern eben auch mal auf eine Kutschfahrt durchs Wattenmeer mitnimmt. Oder die gutgemeinten Kommentare in Richtung Kind, wenn man als Papa in einem Zug mal eine Windel wechselt oder ein quengelnden Säugling füttert - “die Mama kommt ja gleich”. NEIN, die Mama liest jetzt ihr Buch, schläft, macht Pipi, ist arbeiten, oder was auch immer. Auch ein Mann kann eine Windel wechseln, und man braucht NICHT zwei Leute (oder unbedingt mindestens eine Frau), um eines Säuglings Herr zu werden. Wirklich.

Die mit Abstand unentspannteste Gruppe in dieser Hinsicht, zumindest mir gegenüber, waren übrigens Frauen ungefähr meiner Altersklasse. Ein paar der Erlebnisse hatte ich ja exemplarisch auch mal gebloggt, aber das ist bei weitem nicht alles. Wie man(n)’s auch macht, es ist nie recht: Arbeite ich vollzeitnah, lasse ich natürlich automatisch meine Frau mit dem Kind und der Hausarbeit im Stich, ohne weiteren Beleg, qua Geschlecht eben. Erzähle ich, daß meine Frau genauso viel oder wenig arbeitet wie ich, bin ich ein herzloses Schwein, weil ich der jungen Mutter die Intimität mit dem Säugling stehle (“ihr könnt es Euch doch leisten, ihr müßt doch gar nicht beide arbeiten, oder”?). Daß ich, genau wie meine Frau, jede Nacht aufgestanden bin um den Zwerg zu füttern, daß ich genau so viele Stinke- und sonstige Windeln gewechselt habe wie sie, daß ich meine Arbeitszeit auf genau ihr Niveau reduziert habe (oder sie auf meines) - das glaubt einem keine Sau, vielleicht noch gerade so den letzten Punkt.

Unser Sohn wird selbstverständlich bindungsunfähig, miserabel schlafen, oder ständig weinen weil Mama nicht immer für ihn da ist, oder oder oder. Ich warte noch darauf, daß mir jemand erzählt, der viele Kontakt mit seinem Windeln wechselnden, Breichen kochenden, Lieder singenden Papa macht ihn bestimmt mal schwul. Jo mei. Männer können, ja sollen auch nicht mit Babies, siehe Herr Blüm.

Im Allgemeinen ist mir das ziemlich wurscht. Die allergrößte Mehrzahl der Damen und Herren äußert sich positiv oder eben auch einfach gar nicht (mir durchaus auch sehr sympathisch). Trotzdem fällt’s auf, gerade im Kontrast zu dem hier ja sehr nahen Frankreich, oder zu meinen mir persönlich noch näheren Vorstellungen von Elternschaft. Meiner Meinung nach sollten wir Deutschen - und zwar Frauen und Männer - mal den Stock aus dem A.sch holen, was Kinder und Familie angeht. Die Welt dreht sich nach so einer Geburt weiter, und so schön es ist, sich mal eine Auszeit für die Familie zu gönnen, so sehr sollte man sich von Anfang an klar machen: Das Leben, einschließlich des Berufslebens geht weiter (wartet aber nicht auf einen), und je früher man wieder zur Normalität zurückkehrt, desto einfacher ist es für alle Beteiligten, inklusive der Kinder. Das sehen zumindestens die Westdeutschen auf breiter Front anders. Ein Ergebnis dessen können wir hier bestaunen.

Die Selbstverständlichkeit, mit der wir uns auf staatlichen finanziellen Subventionen ausruhen (Ehegattensplitting, beitragsfreie Mitversicherung von nicht arbeitenden Ehegatten in der Krankenversicherung, drei Jahre geschenkt bie der Rente, Kindergeld,.. zusammen 57 Milliarden Euro pro Jahr schwer), ist mir ein Rätsel. Und ich vermag z.B. überhaupt nicht einzusehen, warum zwei arbeitende Normalverdiener (2700 brutto im Monat) mehr in die Krankenversicherung blechen müssen als ein verheirateter, der alleine 2x2700=5400 brutto verdient, und damit die Kostenfreiheit des Ehepartners des letztgenannten subventionieren  - und zwar egal ob er Kinder hat oder nicht. Das ist aber leider Realität.

Ja wie denn nun?

Insgesamt sind mir meine LandsleutInnen erheblich zu unentspannt was den Umgang mit Kindern angeht. Es wird noch das kleinste Detail optimiert, ein absurder Druck auf Mütter ausgeübt was Stillen angeht, die Ernährung, die Ausgestaltung des Kinderzimmers und des Betts, den Kinderwagen, whatever. Wir sind als Gesellschaft viel zu oft absolute Detailoptimierungsfetischisten, und geraten schnellstens in extreme Verunsicherung, ja fast schon Panik. Und, sorry, die ist vielleicht zum Teil von “den anderen” gemacht, aber wie sehr man sich verrückt machen läßt, dafür ist man und frau schon immer noch selber verantwortlich.

Letzten Endes muß man sich in der eigenen Haut wohl fühlen, dann fühlt sich auch das Kind wohl. Wie man das anstellt, muß jeder selber wissen. Mit permanenten Ängstlichkeitsattacken oder jahrelangen Zwangspausen im Erwerbsleben (“ich würde ja gern arbeiten, aber es ist doch noch so klein..”) ist das nur bedingt zu erreichen. Und: Es ist ausgemachter Schwachsinn, daß Kinder schwul, psychopathisch, bindungsunfähig oder sonstwas “böses” werden, wenn sie schon vor ihrem ersten Geburtstag von mehr als einer Person (der Mutter) betreut werden.

Diesen Schwachsinn haben uns, mit Verlaub, die Nazis eingetrichtert (und in Westdeutschland nach dem Krieg dann in unschöner Kontinuität die Kirche), und wir kriegen ihn bis heute nicht aus der Birne. Und sterben vor Sorge (“wann kann ich denn wieder arbeiten..?” - auf die Frage gibt’s nur eine Antwort: Wenn Du’s willst. Dein Kind wird Dir nie sagen “du Mama, ab heute darfst Du wieder”, und diese Rolle steht ihm übrigens auch nicht zu, sondern liegt in der alleinigen Entscheidungskompetenz der Eltern). Wir sprechen von “weggeben” (in eine Kita oder zur Tagesmutter), wo sich andere Völker freuen, daß ihre Sprößlinge was erleben und nicht nur den ganzen Tag mit Mama daheim versauern. Wir reden von “fremdbetreut” - das Wort gibt’s im Französischen gar nicht, da würde man allerhöchstens von “professionell betreut” sprechen können, wenn überhaupt. Das Konzept, und auch das Wort “Rabenmutter” oder “Raben-sonstwas” ist etwas extrem Deutsches.

Und wir trauen Vätern kaum etwas zu - weder die kompetente Betreuung von Säuglingen, noch nehmen wir ihnen ab daß sie sich wirklich an Hausarbeit, Kindererziehung, Windelwechseln oder durchgemachten Nächten beteiligt haben, beteiligen wollen, oder beteiligen können. Wir schaffen zwar ein Dispositiv (Elternzeit + -geld), daß es ihnen erlaubt, zwei oder mehr Monate überhaupt nicht mehr zu arbeiten, aber wir haben im Jahr 2013 noch keinerlei Rechtssicherheit für Väter geschaffen, die bei der Geburt einfach nur Sonderurlaub nehmen wollen, ohne gleich alles monatelang stehen zu lassen. Und da, wo’s die Sicherheit einigermaßen per Tarifvertrag gibt, gestehen wir ihnen ein-zwei Tage zu, sofern das Kind freundlicherweise nicht an einem Wochenende kommt. Da sind die Franzosen z.B. mit ihrem “congé de paternité et d’accueil de l’enfant” mal wieder Lichtjahre voraus. Auf so eine simple Idee, die den Vätern und damit der ganzen Familie helfen würde kommt hier keiner, weil bei uns solche Themen stets mit der Mutter als alleiniger Hauptperson diskutiert werden.

Das alles ist ungeheuer schade, denn Eltern werden ist eine ganz und gar formidable Sache, bei der wir alle drei, Eltern wie Sohnemann, jeden Tag einen Heidenspaß hatten und haben. Geholfen hat uns mit Sicherheit die konsequente Verbannung von allem stock-ähnlichem aus dem Analbereich, das strikte Ersetzen von “darf ich denn?” “soll ich denn?” und “muß ich denn?” durch “einfach machen”, und der engen Orientierung an der Maxime: 50/50. Paßt.





Wieder was gelernt - zu #sexismus und #aufschrei

Der Herr Brüderle hat mit seinem Verhalten schlußendlich etwas ausgelöst, was er sicher nie beabsichtigt hatte: Es wurde öffentlich, Deutschland redet endlich mal über alltäglichen Sexismus, nicht zuletzt weil auf Twitter unter den Hashtags #aufschrei und #sexismus fleißig alltägliche Situationen getwittert wurden und werden, die eben genau davon handeln: vom Sexismus im Alltag. Das reicht von Grapschereien über Nötigung bis zu mehr oder minder subtilen Situationen im Job (“Sie sind die Sekretärin? Nein, die Projektleiterin, verdammt!”). 

Ich bin keine Frau, habe mir aber erlaubt, mitzumachen. Warum? Weil Sexismus alle angeht, ganz besonders der im Alltag, weil es mit Sicherheit kein spezifisches Frauenproblem alleine ist (sondern eines, das die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit angeht), und weil es auch nicht nur Frauen betrifft. 

Konkret waren das folgende Tweets von mir:

  1. Dann wollnwirmal: Die Supermarktverkäuferin, die nach Eiern gefragt grinsend auf meine Hose deutet. (Link)
  2. Die ganzen Kinder- & Babygruppen, zu denen man als Berufstätiger/Vater nicht kann, weil mitten in der Woche vormittags (Link)
  3. Die gut gemeinten, einem jede Kompetenz absprechenden Ratschläge, d man als Vater ständig bzgl d eigenen Kindes kriegt (Link)
  4. Der dumme Herrenwitz, bei dem keiner verstehen mag, warum man nicht mitlachen möchte (Link)
  5. Das #Ehegattensplitting das einen im diese scheiß Ernährerrolle drängeln will (Link)
  6. Bank, die Immobilie nicht finanzieren mag, weil man nicht glaubt d. nach der Hochzeit weiter 2 Einkommen da sein werden (Link)

Die Reaktionen waren und sind spannend:


"Wieder was gelernt - zu #sexismus und #aufschrei" vollständig lesen

Eine Frage der Prioritäten

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

haben Sie vielen Dank für Ihr freundliches Willkommensschreiben, das uns Mitte September 2012, keine zwei Wochen nach der Geburt unseres Sohnes erreichte. Auch der beigelegte Gutschein für Eltern/Kindaktivitäten wurde von uns dankbar angenommen und - unser Filius dankt auch hierfür - in einen Kurs für Babymassagen investiert. Es hat uns gefreut, daß in unserem weiß Gott nicht kinderreichen Land auch die Politik, und sei es mit einer Geste wie Ihrem Brief, ein wenig Anteil nimmt.

Mit einer gewissen Belustigung haben wir noch die steuerliche ID-Nummer zu unseren Akten geheftet, die unserem Sohn ebenfalls nicht allzu lange nach seiner Geburt ins Haus flatterte. Sehr professionell war übrigens die Kommunikation mit der L-Bank als Auszahlungsstelle für Elterngeld - Hut ab.

Wo uns mittlerweile allerdings arg der Humor fehlt, ist beim Kindergeld:

Wir haben keine zwei Wochen nach der Geburt einen Kindergeldantrag ausgefüllt und abgeschickt, an die für uns zuständige Familienkasse Offenburg. Da meine Frau in Frankreich erwerbstätig aber in Deutschland wohnhaft und unbeschränkt steuerpflichtig ist (Grenzgängerin) ist, haben wir noch unaufgefordert ein Formular E411 der französischen Familienkasse (CAF) nachgereicht, aus dem hervorgeht, daß unser Anspruch auf Familienleistungen primär in Deutschland besteht. Immerhin wohnen wir alle drei hier, und zahlen hier unsere Steuern.

Die Antwort der Familienkasse (auf das Formular E411) war die Zusendung eines weiter Kindergeldantrags-Formulars, diesmal “Kindergeld Ausland”, ohne jede weitere Erklärung, warum. Auch diesen haben wir umgehend ausgefüllt und zurückgesandt - das war gute fünf Wochen nach der Geburt, am 10. Oktober 2012. Seither passiert ist - für den Rest des Jahres 2012 zunächst mal gar nichts. Kein Schreiben, kein Bescheid, und natürlich auch kein Kindergeld.

Ich darf hinzufügen das wir verheiratet sind, dies unser erstes Kind ist, und wir für keine anderen Kindes Kindergeld beantragt haben oder bekommen. Ein ganz simpler Standardfall also. Auf mehrfache telefonische Nachfrage durften wir immerhin, scheibchenweise und über mehrere Monate, erfahren,

  • daß die Funkstille zumindest aus Sicht der Familienkasse “normal” ist - Eingangsbestätigungen versende man grundsätzlich nicht, hieß es.
  • man könne zwar sehen, daß man am X. und Y. von uns Post bekommen habe, aber was da drin war und ob die von uns eingereichten Unterlagen vollständig sind, das kann man uns leider nicht sagen
  • ein Kindergeldantrag brauche normalerweise gute sechs Wochen

Kurz vor Weihnachten haben wir erneut nachgefragt; hier wurde uns mitgeteilt, daß der Antrag bisher noch nicht einmal bearbeitet wurde. Er liegt also mittlerweile rund ein Vierteljahr in Offenburg, ohne daß sich irgendjemand je bemüßigt gefühlt hätte, ihn auch nur anzusehen! In der ersten Januarwoche erreichte uns dann, wohl als Reaktion auf unseren Anruf vor Weihnachten, ein Schreiben der Familienkasse, in dem wir zwei Formulare gebeten werden auszufüllen - exakt diese hatten wir aber, auf Bitten der Familienkasse, bereits im Oktober ausgefüllt zugesandt. Auf telefonisches Nachfragen hieß es nun, tja, die sein leider nie angekommen - und gemerkt hat das dort über drei Monate (!) niemand, weil sich in Offenburg niemand mit der Bearbeitung unseres Antrags befaßte. Jetzt senden wir die ganze Herrlichkeit (wir haben uns damals glücklicherweise eine Kopie gemacht) eben nochmal, diesmal per Einschreiben mit Rückschein. Und warten wieder.

Wir sind - Gott sei Dank - keine Familie, die durch das fehlende Geld jetzt existenziell bedroht ist, auch wenn die mehrere hundert Euro Kindergeld (für mittlerweile vier Lebensmonate), die wir dem Staat seit der Geburt zinslos leihen durften, durchaus weh tun.

Wesentlich unangenehmer ist die Art und Weise des Umgangs mit uns als Eltern: Keine Eingangsbestätigungen, keine irgendwie hilfreiche telefonischen Auskünfte, eine beeindruckende Indifferenz gegenüber Zeit und Geld von Eltern (sechs(!) Wochen übliche Bearbeitungszeit für einen Kindergeldantrag!? Über drei(!) Monate ohne daß der Antrag auch nur auf Vollständigkeit geprüft, geschweige denn wirklich bearbeitet wurde!?)). Man sitzt, wartet, hofft, und guckt dem Kontostand beim Schmelzen zu. Ruft man an, erhält man nur inhaltsleere Auskünfte und wird - wieder mal - vertröstet. Deprimierend, und übrigens ein riesiger Kontrast zur Kommunikation der L-Bank in Sachen Elterngeld, die alle diese Dinge wesentlich professioneller handhabt. 

Nun gut. Wir werden weiterhin warten, was bleibt uns auch anderes übrig. Ihnen als Landesvater erlauben wir uns aber hiermit einen kleinen Einblick in die Sorgen einer jungen Familie zu geben. Man wird sehen, wer schneller ist - die Familienkasse mit der Bearbeitung eines wahrlich nicht komplizierten Falls, oder unser Sohn mit dem Erlernen des Krabbelns oder, je nach Offenburger Gemütlichkeit, auch mit dem Laufen.

Mit freundlichen Grüßen

Zehn Dinge

Die Euro-Krise geht, zumindest journalistisch, offenbar ins Sommerloch: Leider kann man nicht mehr jede Woche über einen Krisengipfel berichten, und seit Draghi’s OMT-Bekanntgabe ist der Spaß am kolportieren immer neuer Nachrichten über Zinsen am Anleihenmarkt wohl auch geschrumpft. Sogar “die Griechen” sparen. Daher gibt’s jetzt ein neues Lästeropfer: Frankreich.

Was man halt so weiß über unser Nachbarland, das wird dann gerne zusammengematscht zu einem Brei, den der deutsche Michel nicht goutieren mag - die 35-Stunden Woche, großzügiger Sozialstaat, hohe Jugendarbeitslosigkeit, sozialistische Regierung die gleich mal das Rentenalter gesenkt hat.

Nunja - ich lasse mal dahin gestellt, ob das alles so stimmt. Immerhin kommen Firmen wie Bosch und BMW prima mit der 35-Stunden-Woche durchs Geschäftsjahr, und unser Sozialstaat gießkännelt über hundert wirkungsarme Familienleistungen übers Land - und die Strukturreformen die wir alle so toll finden, hat eine “Linke” Regierung gemacht. Es seien aber anläßlich des mittlerweile modischen Frankreich-Bashings mal ein paar Dinge aufgezählt, die wir Deutsche von der “Grande Nation” (in Frankreich nutzt übrigens keine alte Sau mehr dieses Wort..) lernen können:

  1. Ein Schnellzug heißt Schnellzug, weil er schnell am Ziel ist - nicht weil er schnell wieder anhält. 3h30 für Paris-Montpellier (über 700 km) kein Problem - während wir Deutsche im Jahr 2012 unser “Verkehrsprojekt deutsche Einheit” immer noch nicht fertig haben und man fünfeinhalb Stunden von München nach Berlin braucht.
  2. Kinder sterben nicht, wenn man sie in eine ordentliche Krippe mit ordentlichem Personal gibt. Sie lernen Dinge, die sie daheim nicht lernen könnten, und werden - auch MIT Krippenbesuch - zu absolut gesunden, glücklichen Menschen.
  3. Eltern, insbesondere Frauen, sind keine Rabeneltern oder -mütter, wenn sie Vollzeit arbeiten. Der “Konflikt” zwischen Beruf und Kind ist kein biologischer, sondern ein sozialer.
  4. Es ist unanständig, Löhne zu zahlen von denen man nicht wenigstens seine Miete zahlen und was zu Essen kaufen kann. Deswegen ist es kein böser Sozialismus, Dirigismus, interventionismus oder sonst ein -ismus, wenn der Staat hier eingreift. Wenn’s unbedingt mit einem Wort mit “ismus” bezeichnet werden soll, dann schlage ich vor: Humanismus.
  5. 45 Minuten sind zu kurz für eine Mittagspause.
  6. 18 Uhr ist zu früh für’s Abendessen
  7. Eine Rente, von der ein Durchschnittsverdiener nicht mehr leben kann, ist keine. Merke: Selbst in unserem demographiegeplagten Land wäre mit einem schrittweisen Anheben des Beitragssatzes in Richtung 23% das Rentenniveau halbwegs haltbar. Frankreich hat ein wesentlich kleineres Demographieproblem, und einen Beitragssatz von 25% - davon lassen sich vernünftige Renten grundsätzlich durchaus finanzieren. (Merke: Das gesetzliche Renteneintrittsalter in Frankreich ist 67 (vor Sarko: 65) Jahre, NICHT 60, wie man immer wieder liest (Man kann fünf Jahre früher gehen, wenn man erhebliche Abschläge in Kauf nimmt. Also ganz ähnlich wie bei uns.))
  8. Stellt man Ehe und eingetragene Lebenspartnerschaften gleich, rechtlich wie steuerlich, löst dies nicht den Untergang des Abendlandes aus.
  9. Das Ehegattensplitting ist keine Familienförderung. Wer sich Ideen holen will, wie man ein Einkommensteuersystem familienfreundlich gestaltet, kann sich unter impots.gouv.fr  eine ganze Reihe vernünftiger Ideen abholen.
  10. Das Modell “Bürgerversicherung” für die Krankenversicherung funktioniert, und ist nicht wirklich teurer, aber wesentlich gerechter als unser “Extrawurst-für-Beamte”+“gesetzliche KV”+"alles privat"-System.
Wohlgemerkt: Frankreich hat durchaus gravierende strukturelle Probleme, und man wird sehen müssen, wie damit von der Politik umgegangen wird. Man sollte aber keinesfalls den Fehler machen, die deutsche Hartz-Soße unmodifiziert zu exportieren. Liebe Landsleute, seht Euch vor - es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, daß wir die Franzosen in nicht allzulanger Zeit um ihr modernes Staatswesen, ihre fantastische Infrastruktur, ihre Lebensqualität am Arbeitsplatz und im Privaten, und nicht zuletzt um ihren sozialen Frieden beneiden werden.

Hrghnnn..

Alles neu macht ja bekanntlich der Mai, und manchmal auch der November: Ich habe mir einen neuen Monitor geleistet, mit extrem hohem Augenmerk auf Ergonomie. Geworden ist es ein tolles Gerät von Samsung, mit genialer Bildqualität und 26" Größe.

Doch genau da fing er Ärger an: Für die dort verwendete Auflösung von 2560x1440 ist VGA offenbar nicht konzipiert worden, jedenfalls mag kein solches Signal aus dem VGA-Port meines Thinkpad T500 kommen, und im Internet findet man einige Leidensgenossen, denen das wohl genauso geht. Ohnehin mag der Monitor nur Digitales verdauen, DVI oder DisplayPort ist zur Wahl, und mit einem VGA-an-DVI-Adapter war kein Blumentopf zu gewinnen.

DVI kennt der T500 nicht, so blieb nur Displayport. Solche Kabel hat's hier in unserem Kaff nicht im Einzelhandel (DP an HDMI hätte's aber gegeben..), also per Internet bestellt und fast 'ne Woche drauf gewartet. Jetzt isses da, und ich stelle fest, daß der integrierte Intel-Grafikchip des T500 wohl nicht mit dem DP-Ausgang verbunden ist. Dafür braucht's schon den Radeon Mobility HD 3650 Superduperchip, der ebenfalls verbaut ist aber den ich wegen Treiberproblemen immer abgeschaltet hatte.

Tja. Nach stundenlangem Basteln am Wochenende stellt sich also heraus, daß Ubuntu 12.10 mit dem Chip leider nicht zurecht kommt, weil der proprietäre ATI-Treiber nicht mit Kernel 3.5 mag und der Open Source-Treiber für Radeon zuverlässig zu kompletten Systemhängern bereits bei Booten führt. Zudem hat das DP-Kabel beschlossen, sich im Ausgang des Laptops festzubeißen und will nicht mehr 'raus. Mit Kernel 2.6 komme ich wenigstens zu ein paar Minuten Arbeiten mit genialer Bildqualität, bevor (ich denke bei irgendeiner Lastspitze) die Maschine wieder die Grätsche macht und komplett hängt.

Erfolg sieht anders aus. Grmpf.

Bahn und Säugling

Erste große Reise mit Säugling, per Zug. Mit einer Reihe von Erkenntnissen:

  1. Wenn man vorher reserviert, und am besten erste Klasse fährt, geht das ganz gut (Familienreservierung kostet 8 EUR, egal wieviele Plätze). Eine Babyschale braucht im Großraumwagen zwei Plätze nebeneinander (auf einen kann sich dann aber ein Erwachsener grade so noch komfortabel setzen), im Abteil drei (zwei Kind, einer Erwachsener).
  2. Das Zugpersonal ist in der Regel sehr hilfsbereit, wenn's um Kinderwagen etc. geht.
  3. Mit Säugling auf dem Arm durch einen fahrenden Zug zu laufen ist eine blöde Idee, aus vielen Gründen.
  4. Die Reaktionen der Mitfahrer sind meist eine der Folgenden
    1. Komplette Indifferenz (insb. bei den Businesskaspern in der 1.Klasse ICE)
    2. schmachtende Blicke (alle Altersgruppen, Geschlecht auch egal)
    3. Freude und Freundlichkeit (manchmal garniert mit eigenen Babygeschichten) (ebenfalls alle)
    4. in ca 10% der Fälle: Kritik (oh Gott, das arme Kind) (geäußert vornehmlich von Damen >= ca. 50 Jahre)

Mein persönliches Fazit, vorläufig: Wenn man sich Verbindungen unter möglichst großzügiger Vermeidung von Umsteigerei bucht, und ausreichend Platz ausreichend früh reserviert, ist das eine sehr angenehme und entspannende Art zu reisen. Wir haben's so von Kehl nach Duisburg, von Duisburg nach Hamburg, von Hamburg nach Cuxhaven sehr entspannt geschafft, trotz Gepäck für eine Woche, Kinderwagen etc.

Unschön wird's, wenn so wie auf der Rückfahrt geschehen, sich unvorhergesehenerweise alles ändert: Anstatt Cuxhaven-Hamburg (1h45), dann 1h10 Zeit in Hamburg (zum Mittagessen und Umsteigen), dann per ICE durchfahren und am Ende noch S-Bahn mit genügend Umsteigezeit hatten wir:

  1. Außerplanmäßig Schienenersatzverkehr mit einem Bus zwischen Cuxhaven und $Kaff. Natürlich kam der Bus, weil kurzfristiger Zugausfall wegen offenbar völlig überraschenden Bauarbeiten (ähem) deutlich zu spät, war hoffnungslos überfüllt, und leider auch ein Reisebus (d.h. kein Platz für Kinderwagen)
  2. 40 Minuten Verspätung in dem Zug ab $Kaff nach Hamburg. Und weg war sie, die Stunde die wir eigentlich zum entspannt Umsteigen und Mittagessen nehmen wollten
  3. Spontane Entscheidung des Personals, daß der Zug nicht wie geplant bis Hamburg fährt, sondern bereits in Hamburg-Harburg endet.
  4. Verspätung aller Züge, die wir zum rechtzeitigen Weiterfahren nach Hamburg Hbf (zu unserem ICE) gebraucht hätten.
  5. Daher sind wir in Harburg einfach in einen anderen ICE gestiegen, haben die 1:20h bis Hannover im Bordrestaurant gegessen, und sind dann in Hannover umgestiegen, wo aber natürlich
  6. die Türen unseres Waggons nicht gingen
  7. unsere Platzreservierung im Abteil anstatt wie von mir beim telefonischen reservieren erbeten im Großraum im Abteil war (d.h. ein Platz zu wenig - hat aber dank netter Mitfahrer kein Problem ergeben)
  8. die S-Bahn in Mannheim war dann natürlich knallevoll. Die Leute hätten gerne Platz gemacht, aber vor lauter Hunden, Koffern, Fahrrädern etc. war da wenig Marge. Nun, reingepaßt haben wir trotzdem - irgendwie.
Auch das geht, man kommt an, und am Ende waren wir nicht mal später in St Leon Rot als geplant. Aber halt mit vier mal sehr stressigem Umsteigen anstatt wie geplant zwei Mal entspannt. Was eigentlich eine sehr angenehme Fahrt hätte sein können ist dann doch recht nervenzehrend gewesen. Vermutlich aber auch nicht schlimmer als ein quengelndes Baby auf der Autobahn in einem Stau, der einen dann noch später ankommen läßt, mit übergelaufener Windel etc. pp.


Deutsche Logik

Die Deutsche Rentenversicherung Bund schenkt Eltern insgesamt drei (!) Beitragsjahre, während derer der Staat für einen Beiträge in die Rente einzahlt, als ob man erwerbstätig gewesen wäre und 2700 EUR (Durchschnittsgehalt der rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer). Arbeitet man parallel, zahlt der Staat trotzdem (z.B. wenn man brutto 1000 erarbeitet wird eingezahlt als ob man 3700 brutto verdient hätte) - bis zur Beitragsbemesungsgrenze natürlich.

Grundsätzlich eine gute Sache also. Natürlich gibt's ein ABER:

  1. Die Rentenversicherung schreibt gleich mal nur die Mutter an. Der Vater erfährt von seinem Glück nix, und auch nichts von seinem Anrecht auf dieses Staatsgeschenk
  2. Man kann diese Zeiten aufteilen, wenn das Kind von mehreren Leuten erzogen wird bzw. von anderen als z.B. der Mutter. ABER:

Das geht natürlich nur auf Antrag, in dem man für die drei Jahre jeweils monatsgenau angeben kann, wer das Kind hauptsächlich erzogen hat - selbst wenn man das in praxi gemeinsam und in gleichem Umfang tut. Als z.B. Januar: Vater, Februar: Mutter, März: Vater, etc. - das geht. Januar bis März: Beide (also so, wie's wirklich ist) - das geht nicht.

Warum denn einfach, wenn's auch kompliziert geht, denkt man(n) sich da. Zumal die gleiche verkorkste Logik auch beim Elterngeld greift, das Eltern ja eigentlich über das erste Lebensjahr des Kindes finanziell helfen soll, bis es in eine Kita gehen kann. Das geht aber auch da nur, wenn einer daheim bleibt (Mama) und es gibt noch ein Goodie (2 Extramonate) wenn der zweite (Papa) auch mal frei nimmt. Wehe, beide gehen in Teilzeit arbeiten und kümmern sich auch beide um das Kind - dann zählt jeder Monat doppelt (sind ja zwei Bezieher), und man kommt anstatt bis zum 14. Lebensmonat des Kindes (was komfortabel reicht, um es ab einem Jahr in eine Kita gehen zu lassen) nur bis zum siebten.

Merke: Das mit dem "gemeinsam und partnerschaftlich", das muß die Gesellschaft (bzw. Vater Staat) erst noch lernen. Vielleicht hat er's ja begriffen, bis unser Sohnemann selber mal Kinder hat.


Neugeborene Hämmorrhoiden

Die Geburtshilfestationen in Kehl und in Oberkirch sollen dichtgemacht und in Achern zentralisiert werden. Darüber berichtet ausführlich die Kehler Zeitung, hier und hier. Und hier.

Ich habe mich zu einem Leserbrief bewegt gefühlt, den ich mir ebenfalls erlaube, hier zu bloggen.


Als in Kehl wohnender gebürtiger Münchner und werdender Vater erfüllt mich die Debatte um die Schließung der Kehler Geburtshilfestation mit mittelgroßem Entsetzen: Ich wünsche mir bei aller Liebe zur Budgetdisziplin, daß man dennoch erkennt, daß es staatliche Aufgaben gibt, die eben zumindest in kurzer und mittlerer Frist defizitär sind, und das dies eben nicht heißt, daß man diese einstellen muss. Die Zurverfügungstellung einer ortsnahen Geburtshilfestation gehört definitiv dazu. Daß neue proktologische Behandlungsangebote am Klinikum mehr Geld in die Kasse spülen mag sein, aber die Freude darüber mag bei mir so recht nicht aufkommen. Ich habe hier wie so oft das Gefühl man denkt in unserem Land etwas zu häufig und intensiv an Ältere, und vergißt darüber regelmäßig, daß man allen Generationen gerecht werden muß.

Traurig auch die Unkenntnis des sonst doch in Europafragen recht fitten Kehler OBs: Selbstverständlich hat auch ein in Kehl geborenes Kind eines französischen Elternteils automatisch die französische Staatsbürgerschaft - ein einfacher Blick auf die Website von infobest.eu hätte genügt. So ist es übrigens auch bei unserem Kind, mit einem deutschen Vater und einer französischen Mutter, das in Kehl als vielleicht einer der letzten gebürtigen Kehler diesen Sommer auf die Welt kommen wird.

Die Kehler Klinik liegt näher an den allermeisten der gerade in Straßburg neu entstehenden 18 000 Wohneinheiten als die dortigen Kliniken, und eine Steigerung der Geburtenzahl in Kehl ist daher definitiv zu erwarten. DAs Interesse aus Frankreich darf man nicht an der Zahl der in Kehl entbindenden Französinnen messen - auf den Infoabenden der Kehler Hebammen finden sich regelmäßig deutsche Frauen mit französischen Partnern, die in Straßburg wohnen aber in ihrem Heimatland entbinden möchten. Zudem darf man nicht vergessen: Es werden in den neuen Straßburger Vierteln mehr Menschen wohnen, als derzeit in der gesamten Kehler Kernstadt.

Sollte sich die Kehler Station trotz aller Proteste nicht halten lassen, so sollte man dringend prüfen, ob man nicht das Personal in einer bestehenden, grenznahen Straßburger Klinik besser unterbringen kann (und auch den erlernten Hebammenberuf weiter ausüben lassen könnte), anstatt die werdenden Eltern über die B28 zu scheuchen und die Kehler Fachkräfte als Hilfspersonal über die Ortenau zu verteilen. Eine grenzüberschreitende Kooperation der Rettungsdienste ist dafür auch erforderlich, damit einen in Kehl im Zweifel auch ein deutscher Kankenwagen in die nahe Straßburger Geburtshilfe bringen kann. Nota bene: nicht jeder hat ein Auto - ich selbst besitze z.B. keines.

Francois, we have a problem

Es ist ja nicht so, als hätte's noch keiner vorhergesagt: Frankreichs Häusermarkt geht baden. Und in Ergänzung (=Verschärfung) dessen was ich im Dezember 2010 schrieb (vgl. Da Friggit' tunnel, man) hat die Regierung zwischenzeitlich noch einige Gesetze verabschiedet, die den Markt deutlich gebremst haben (wesentlich höhere Besteuerungen von Gewinnen beim Verkauf, Verringerung von verbilligten Krediten wie dem Pret a Taux Zero) - zudem ist die Arbeitslosigkeit heute noch höher als damals.

Das derzeitige Preisniveau hat auch die Käuferschichten erheblich eingeschränkt, junge Leute z.B. können derzeit kaum mehr kaufen und sind daher vom Markt weitgehend verschwunden (vgl. Le Figaro vom April 2012 - L'immobillier est devenu inaccessible aux plus jeunes.)

Ich hoffe weiterhin, daß ich mich geirrt habe, aber so arg danach aussehen mag es irgendwie nicht.

Gezwitscher

Spiele jetz auch mal mit dem kleinen blauen Vögelchen. Wer mag: chuispasla

Update: Oder rechts in der Seitenleiste mal gucken.

Betreuungsgeld-Vergleiche

  • wie eine Prämie für Leute die nicht ins Museum gehen
  • als würde die eigene Firma das Kantinenessen subventionieren, aber wer nicht hingeht, bekommt auch zwei Euro pro Mahlzeit

..und viele Weitere. Mitten in einer riesigen Schulden- und Finanzkrise will der Staat eine neue Subvention für mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr einführen, damit Menschen Infrastruktur nicht nutzen, deren Ausbau er gerade mit 26 Milliarden Subventionen ermöglicht hat.Bekommen soll die Kohle nicht etwa jeder, der seine Kinder selbst betreut (so wird das ja gerne verkauft) sondern wer seine Kinder nicht in die gerade mit teuer Geld aufgebauten Kitas schickt. Au Pair, Großeltern, Tagesmutter ist OK, aber bloß ja keine Kita. Ach ja, ist man grade arbeitslos, gibt's natürlich auch nichts bzw. weniger, falls man das schon länger ist, oder vorher blöderweise schlecht verdient hat und dummerweise sein ALG I mit II aufstocken muss.

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